Leiden Sie auch an einer Lungen- oder Atemwegserkrankung, haben eine spannende Reise unternommen und möchten andere daran teilhaben lassen? Senden Sie Ihren Reisebericht mit einigen Fotos an kommunikation@STOP-SPAM.lung.ch. Wir werden diesen redaktionell aufbereiten und auf dieser Seite publizieren.

 

 

Meine Flugreise nach Fuerteventura

Die 63-jährige Marietta Ritz leidet an COPD. Wegen dieser Krankheit auf das Reisen verzichten will sie aber nicht. Im November ist sie nach Fuerteventura geflogen und hat für die Lungenliga ihre Reiseerfahrungen aufgeschrieben.

Text und Fotos: Marietta Ritz


Fuerteventura soll mein Ziel sein, vier Stunden Flugzeit an die Sonne, weg vom Nebel und Kälte. COPD Stadium III Gold mit einer Lungenfunktion von noch 40 Prozent, das ist meine Diagnose. Dennoch ist Reisen ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens, nur weil ich die chronisch obstruktive Lungenkrankheit habe, möchte ich nicht damit aufhören.
Jedoch muss ich mich vor der Reise gut informieren: Wie kann ich mit Sauerstoff reisen? Welche Möglichkeiten gibt es? Und vor allem: Wo und in welchen Ländern herrscht ein angenehmes Klima, welches mir das Atmen erleichtert? Nicht über 30 Grad sollte es sein, aber auch nicht zu kalt. Und politisch sollte die Situation so sein, dass man das Land ohne Ängste bereisen kann.
Diese Anforderungen erfüllt Fuerteventura; eine der Kanarischen Inseln, welche ein wunderbares Klima haben und auf denen sehr viele Lungenpatienten den Winter verbringen.

 

Zu den Vorbereitungen: Meine kantonale Lungenliga gibt Auskunft darüber, welche Sauerstoffgeräte im Flugzeug akzeptiert sind, zudem finde ich wertvolle Informationen auf der Website der Lungenliga. Weiter bietet beispielsweise die Swiss eine reisemedizinische Beratung. Bereits am Telefon erklären mir Fachpersonen der Swiss, was zu tun ist, damit ich an Bord mit Sauerstoff versorgt bin.
Bei der Wahl der Unterkunft entscheide ich mich für die im Süden von Fuerteventura, an der Costa Calma gelegene Anlage Bahia Calma, die einem Schweizer gehört und von zwei Deutschen geführt wird. Sie sind sehr herzlich und gehen auf Sonderwünsche ein, vor allem wenn man eine gesundheitliche Einschränkung hat. Es ist geplant, in der Anlage ein medizinisches Zentrum aufzubauen, das auf lungenkranke Menschen spezialisiert ist. Bereits jetzt gibt es dort Bungalows, in denen man selber kocht, es wird täglich gereinigt und Einkaufsmöglichkeiten sind in unmittelbarer Nähe. Zum Strand sind es nur gerade vier Minuten, aber es gibt in der Anlage auch einen beheizten Pool. Ich entscheide mich bei der Buchung für ein Appartement, wo ich selbständig bin. Sollte ich Sauerstoff brauchen, so kann ich die Maske anziehen und mich entspannen – ohne Zuschauer und mitleidige Blicke der Hotelgäste.

«Haben Sie meinen Sauerstoff dabei?»

Am 10. November 2016 geht es endlich los, meine Schwester begleitet mich auf dieser Reise. Normalerweise kann man den Koffer am Abend vorher am Bahnhof aufgeben, mit der Bahn anreisen und am Flughafen einfach auf das Gate gehen. Wegen technischen Problemen ist dies für uns leider nicht möglich. Im Nachhinein würde ich die An- und die Rückreise deshalb nicht mehr mit dem Zug machen, denn als COPD-Patientin ist es sehr anstrengend, mit Gepäck zu reisen und es gibt sehr wenig Leute, die helfen, das Gepäck in den Zug zu tragen. Eher würde ich jemanden fragen, ob er mich an den Flughafen fährt und von dort wieder abholt.
Nachdem wir am Flughafen eingecheckt haben, ist es Zeit, an Bord zu gehen. Meine erste Frage an die Flugbegleiterin: «Haben Sie meinen Sauerstoff dabei?» - «Ja, es ist alles vorhanden», sagt sie und bittet mich, ihr ein Zeichen zu geben, wenn ich Sauerstoff brauche. Als ich dies tue, kommt sie und richtet mir den Sauerstoff ein, es ist sofort ein gutes, sicheres Gefühl und ich kann die Reise jetzt entspannt geniessen. Immer wieder kommt die fürsorgliche Flugbegleiterin vorbei und überzeugt sich, dass noch alles in Ordnung ist. Nach vier Stunden Flugzeit sind wir gelandet. Ich weiss, dass ich nun ganz langsam zur Gepäckausgabe gehen muss, es darf keine Hektik sein und vor allem darf ich kein Handgepäck tragen. Das würde meine Lungenkapazität belasten.

 

 

Mildes Klima im Winter

Nach gut einer Stunde Autofahrt über die Insel kommen wir an unserem Ziel in Costa Calma an. Ich hatte die Insel als karge Vulkaninsel in Erinnerung, nun ist sie mit einem grünlichen Hauch überzogen. Das ist so, weil es ein paar Tage vorher geregnet hat. Die Erde dort ist so warm, wenn diese mit Wasser in Berührung kommt, beginnen Pflanzen zu spriessen. Die Leute an der Rezeption von Bahia Calma empfangen uns sehr freundlich und weisen uns ein schönes Appartement zu, das gut gelegen ist, natürlich mit Meerblick.


Es ist herrlich warm und es geht ein angenehmer Wind, sodass man keine grosse Hitze spürt. Auf dieser Insel ist das Klima sehr mild, auch im Hochsommer nicht viel über 30 Grad und im Winter nicht unter 20 Grad, ein optimales Klima für Menschen mit verschiedenen Krankheiten. Lungenkranke oder Rheumapatientinnen und -patienten, alle fühlen sich sofort besser. Im Norden der Insel herrscht ein wesentliches raueres Klima, in den Wintermonaten sollte man deshalb vor allem im Süden buchen.


Das Leben spielt sich von morgens bis abends draussen ab, nur zum Schlafen bin ich im Zimmer. Jeden Tag bin ich aktiv, mache Spaziergänge und Übungen für meinen Körper und merke, dass ich Tag für Tag besser atmen kann. Die saubere und milde Luft, die angenehmen Temperaturen und der Aufenthalt auf wenigen Metern über Meer, wo es viel mehr Sauerstoff in der Luft hat als in der Schweiz, tun mir gut: In den zwölf Tagen brauche ich mein Sauerstoffgerät nie, es geht mir immer sehr gut und ich fühle mich extrem wohl.
Der Strand, der unmittelbar in der Nähe ist, lädt ein zum Spazieren, auch sind dort im Abstand von etwa zwei Kilometern Strandbars aufgestellt, wo es einen kühlen Drink oder spanische Tapas gibt.
Sowohl die Angestellten an der Rezeption als auch die Geschäftsleitung sind sehr bemüht, dass es mir gut geht und fragen täglich nach, ob alles in Ordnung ist. Ganz in der Nähe gibt es ein Lebensmittelgeschäft, wo ich einkaufen kann, wenn ich selber kochen will. Es hat aber auch ganz edle Restaurants in der Nähe, wo man sehr gut und preiswert essen kann.


Damit man die Insel erkunden kann, würde es sich lohnen, ein Auto zu mieten. Bequeme Menschen – wie ich es bin – bevorzugen aber die Erkundung per Bus, auch wenn man dafür ab und zu Nerven braucht. Denn manchmal fährt der Bus zu den gegebenen Zeiten, manchmal hingegen wartet man eine Stunde auf den Bus. Erklärungen für Verspätungen gibt es nicht, es ist einfach so….

 

 

Austausch mit anderen Betroffenen

In diesen zwölf Tagen lerne ich sehr viele COPD-Patientinnen und -Patienten kennen. Es sind Leute aus Deutschland, aber auch aus der Schweiz. Alle bestätigen mir, dass sie im Winter für längere Zeit hierherkommen. Es ist ein schöner Austausch untereinander und man fühlt sich plötzlich nicht mehr allein mit dieser Krankheit. Man hört so viele Leute husten und weiss, dass ganz viele hier sind, die mit der Lunge Probleme haben. Meine Erfahrung mit Menschen aus Deutschland zeigt mir zudem, dass wir in der Schweiz eine wesentlich bessere Betreuung haben; einerseits durch die Lungenliga, andererseits auch durch unsere gut ausgebildeten Ärzte. Nach zwölf Tagen geht es wieder zurück in die Schweiz. Für eine effektive Verbesserung der Lungenfunktion sollte man während des Winters ein bis zwei Monate in diesem Klima leben können – mein Ziel nach der Pensionierung!