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"Wir haben Asthma nie als Krankheit betrachtet"

Anaïs (8) springt herum, wie wenn nichts wäre. Dank einer konsequenten Therapie und vielen Untersuchungen kann sie ihren Bewegungsdrang ausleben. Besuch bei einer Familie, die gelernt hat, mit Asthma umzugehen.

«Letzte Nacht war nicht gut», sagt Daniela Cicoira, Anaïs’ Mutter, während sie den Kaffee vorbereitet. Ihre Tochter weckte sie mitten in der Nacht wegen Atemnot und musste inhalieren. Mittlerweile weiss Anaïs, wann sie reagieren muss. Alles begann, als Anaïs vier war.

 

Nach den Sommerferien holte sie sich eine starke Erkältung mit Anzeichen einer Bronchitis. Dies führte zu einem Notfall: «Eines Nachts hörte ich durch die Schlafzimmertür ein lautes Pfeifgeräusch und realisierte, dass Anaïs zu wenig Luft bekam. Ich alarmierte sofort den Notarzt », schildert Daniela Cicoira. Der Kinderarzt verschrieb ihr darauf Medikamente, die den Infekt heilten. Doch damit war die Sache noch nicht vom Tisch: Plötzlich blieb Anaïs auch bei körperlicher Anstrengung die Luft weg. Tests beim Kinderarzt ergaben schliesslich: Anaïs hat Asthma.

 

Daniela Cicoira wandte sich an den Lungenspezialisten. Ein Lungenfunktionstest und ein Hauttest ergaben, dass Anaïs auf Hausstaubmilben, Pollen und Katzenhaare allergisch ist. Etwa zur gleichen Zeit nahmen Daniela Cicoira und ihr Mann Franco an der Asthma- Patientinnen- und Patientenschulung der Lungenliga teil. «Die Informationen über Asthma haben uns sehr geholfen, Sicherheit zu gewinnen», sagt sie.

Umkrempeln, bis die Luft rein ist

Nach der Diagnose begann die Umstellung: Staubfänger und Textilien mussten aus dem Haus entfernt und alle Betten antiallergisch umfunktioniert werden, um den Milben möglichst wenig Fläche zu bieten. «Für die Plüschtiere habe ich jetzt eine Kiste und am Abend müssen sie immer da rein», erklärt Anaïs.

 

Gleichzeitig begann Anaïs mit ihrer Therapie. Dazu gehört zwei Mal pro Tag die Trockeninhalation von Medikamenten, die entzündungshemmend wirken und die Bronchien öffnen. Bei starken Anfällen muss Anaïs mit einem speziellen Gerät feucht inhalieren – drei bis vier Mal pro Tag während rund zehn Minuten. Gewartet und kontrolliert wird das Gerät regelmässig von der Lungenliga.

 

Etwa alle drei Monate besucht Anaïs zudem den Lungenspezialisten zur Kontrolle und für einen Lungenfunktionstest. «Da sitzt man in so einem ‹Glashüsli› und muss durch einen Schlauch atmen», erklärt Anaïs das Prozedere. Mit dem Test werden die Funktion sowie der Entzündungswert der Lunge gemessen. «In letzter Zeit ist Anaïs ziemlich stabil», erklärt der Lungenspezialist. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass das auch so bleibt.

 

«Anaïs muss vielleicht nicht ihr Leben lang inhalieren, aber das Risiko besteht, dass sie immer wieder schubweise Asthmaanfälle haben kann, die durch einen Infekt ausgelöst werden», erklärt der Lungenspezialist. Ziel der Therapie ist es, dass Anaïs möglichst symptomfrei leben kann und sich durch die Krankheit nicht einschränken muss. Ihre Mutter ist stolz auf sie: «Anaïs macht sehr gut mit. Und auch ans Inhalieren denkt sie immer selbstständig. »

Immer schön auf Trab

Die Energie geht Anaïs nie aus: Trampolin- springen, Reiten, Voltigieren, Ski-, Velo- und Rollschuhfahren sowie die Kampfkunst Aikido gehören zu ihren Hobbys. Auch einen Schwimmkurs der Lungenliga hat sie besucht. Voltigieren ist für Anaïs das Grösste. Dabei turnt sie aber nicht etwa auf dem Rücken eines Ponys, sondern auf einem ausgewachsenen Pferd. «Galopp habe ich am liebsten», strahlt sie.

 

Der Bewegungsdrang ihrer Tochter ist für Daniela Cicoira eine Gratwanderung: Einerseits macht sie sich Sorgen, dass sich Anaïs übernimmt, andererseits möchte sie sie nicht einschränken. Dass das Mädchen all ihren Hobbys nachgehen kann, ist aber nur dank der konsequenten und disziplinierten Therapie möglich. Während Anaïs früher im Kindergarten öfters inhalieren musste, kommt das heute in der Schule nur noch selten vor. Für den Fall besitzt die Lehrerin ein eigenes Inhalier- Set. Ob die anderen Kinder verstehen, was Anaïs hat? «Wenn ich einen Asthmaanfall habe, ist das, wie wenn die Lunge zusammengedrückt würde, so erkläre ich ihnen das», lächelt Anaïs.

 

Was sie werden möchte: Tierärztin. «Ich habe alle Tiere gern, auch Dinosaurier», erzählt sie. Und für Medizin interessiert sie sich auch. «Wir haben Asthma nie als Krankheit betrachtet, und das hat sehr geholfen», sagt Daniela Cicoira. Sie und ihr Mann lassen Anaïs alles machen, was möglich ist. Im Zweifelsfall spricht sich Daniela Cicoira mit dem Lungenspezialisten ab. An die Therapie und die Umstellung des Haushalts hat sich die ganze Familie gewöhnt. Aber es gibt nach wie vor bessere und schlechtere Tage. Nach dem Gespräch kommt Anaïs mit nach draussen. Sie verabschiedet sich und – wie könnte es anders sein – hüpft davon.

 

Valentina Röschli,

Journalistin, Zürich

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SF1 Sendung Puls vom 4.4.2011:

"Wenn Erwachsenen plötzlich der Atem fehlt"

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