
Nicht nur wegen dem Jungen sorgen sich die Eltern: er ist ein Drilling, seine Schwestern Noemi und Jasmin sind auch häufig krank. Die älteste der Geschwister, Pascale, ist am wenigsten von heftigem Husten betroffen.
In manchen Nächten dringt bellender Husten aus dem Zimmer der Drillinge: «Zunächst versuchen wir den Kindern das Atmen zu erleichtern, in erster Linie durch die Inhalation mit atemwegserweiternden Medikamenten. Als unterstützende Massnahme kann beispielsweise ein Kissen unter den Bauch geschoben werden. Wieder in meinem Bett bleibe ich wach, bin unruhig. Im schlimmsten Fall wird die Ambulanz gerufen.»
Gesund bleiben ist das oberste Ziel der Familie. Sie turnen täglich und einmal pro Woche gehen die Kinder in den Schwimmkurs der Lungenliga. Trotz allen Bemühungen macht jedes der vier Kinder bis zu zehn Infekte pro Jahr durch.
Die Drillinge kamen sechs Wochen vor dem Geburtstermin zur Welt. Christoph litt nach der Geburt an einem leichten Atemnotsyndrom. Dies obwohl darauf geachtet wurde, dass die Lungen der Drillinge ausreifen konnten (via der Mutter verabreichte Kortikosteroide). Aus dem Spital entlassen, begann der aufregende und anstrengende Familienalltag mit drei Säuglingen und einer «grossen» Tochter. «Bis zur Geburt der Drillinge galt meine Leidenschaft den Schlittenhunden, die ich besass. Heute glaube ich, dass mich mein abenteuerliches Leben vor dem Familienalltag gut auf unsere belastende Situation vorbereitet hat. Ein Rudel Hunde zu erziehen und im Notfall medizinisch zu versorgen, durchzuhalten, überlegt und konsequent zu handeln – all diese Erfahrungen helfen mir und Thomas, mit Herausforderungen umzugehen.» Anna unterrichtet an der Oberstufe ihres Wohnortes und Thomas arbeitet beim Verkehrsdienst bei der Polizei. Beide sind es gewohnt, im Team zu arbeiten und zu entscheiden, was zu tun ist.

Erstmals erschüttert wurde die Familie, als Christoph sechs Wochen nach seiner Geburt notfallmässig ins Spital eingeliefert werden musste. Um drei Uhr früh stillte Anna Messerli den Kleinen, er fieberte ein wenig. Um sechs Uhr erbrach er die eben getrunkene Milch schwallweise. Anna spürte, dass etwas nicht stimmte. Der Kinderarzt überwies um acht Uhr morgens Christoph wegen seiner schlechten Sauerstoffwerte an das Kinderspital. Auf dem Weg dorthin setzte seine Atmung für kurze Momente aus. Innert gut fünf Stunden verschlechterte sich sein Zustand lebensbedrohlich.
Die Diagnose lautete Bronchiolitis. Eine Infektion der kleinen Bronchien, die vor allem bei kleinen Kindern unter zwei Jahren auftritt. Die Bronchiolitis wird meist durch Viren ausgelöst und kann jeden Säugling befallen. Frühgeborene oder Kleinkinder mit einem vorbestehenden Asthma können jedoch heftiger daran erkranken. Typischerweise können jedoch solche ehemals frühgeborene Kinder oder Kinder mit vorbestehendem Asthma immer wieder bei jedem Virusinfekt mit Atemwegsverengung, Atemnot und Husten reagieren. Oft bleiben die Probleme während der ganzen Wintermonate bestehen. Dann hilft nur eine niedrig dosierte, vorbeugende Inhalationstherapie. Christoph beispielsweise inhaliert seither täglich, um seine Atemwege frei zu halten. Manchmal sogar nachts: «Nein, Spass macht das nicht, aber es muss halt sein», verrät der Kindergarten-Schüler.
Vieles in Christophs Krankheitsgeschichte lässt an Asthma denken. Ein Allergietest wurde bereits gemacht, er war negativ. Ein allergisches Asthma konnte ausgeschlossen werden. Ob sich der Verdacht auf ein Infekt-Asthma bestätigt, wird der als nächstes geplante Lungenfunktionstest zeigen.
Es ist schwierig, wenn keine endgültige Diagnose vorliegt. «Mein Sohn hat häufig Pseudokrupp, ein andermal hat er eine heftige Bronchitis. Doch wie schlimm, wie stark die Bronchien und die Lungen in Mitleidenschaft gezogen wurden, ob es sich um Asthma handelt, all das wissen wir nicht!» Hilflosigkeit breitet sich in solchen Momenten aus: «Wie gut, gibt es Kathrin Bigler von der Lungenliga, sie nimmt sich Zeit, hört zu, beruhigt und gibt mir Mut und eine Idee, was noch helfen könnte», berichtet Anna Messerli. Sie hat alle ihre Kinder gestillt, bäckt das Brot selbst, kocht gesund und täglich spielen die Mädchen und der Junge draussen – bei jedem Wetter. «Wir lieben den Sport», ergänzt Thomas Messerli, nur planen können sie nicht lange im Voraus. «Am Abend vorher entscheiden wir über das Programm. Dann bereiten wir alles vor und hoffen, dass kein Hustenanfall die Pläne zunichte macht.»
Ihr liebevoller Umgang miteinander, die klaren Abmachungen, die für Grosse und Kleine gelten, und ihre Lebensfreude helfen der Familie mit der besonderen Situation der Kinder gut umzugehen. «Wir holen uns auch Hilfe von Fachpersonen, Freunden, Arbeitgebern und der Familie, wenn wir überfordert sind», sagt Anna Messerli. Christoph ist das Plaudern leid. Er will jetzt sein blaues Velo und seine Fahrkünste vorführen.
Barbara Richiger,
Journalistin, Kaufdorf
Jeden Dienstag 17-19 Uhr beantworten Ärztinnen und Ärzte Ihre Fragen zu Lunge und Atemwegen. Eine kostenlose Dienstleistung der Lungenliga.