
Daniel Stucki und seine Zwillingsschwester Anina kamen als Frühgeburten in der 26. Schwangerschaftswoche zur Welt. Bei beiden zeigten sich bald Symptome einer frühgeburtsbedingten Anfälligkeit auf Lungenerkrankungen: Sie waren schneller erkältet als andere Kinder, ihr Husten war hartnäckiger. Beide mussten regelmässig inhalieren und Anina benötigte während einer gewissen Zeit sogar Sauerstoff. Ihre Mutter Barbara Stucki war sich also schon einiges gewohnt. Was sie dann aber mit dem dreijährigen Dani erleben musste, traf sie völlig unvorbereitet.
Wieder einmal war es Ende Februar, eine Zeit, während der die Zwillinge besonders anfällig sind. Dani hustete etwas stärker und länger als sonst. Zuerst nahm Barbara Stucki diese Symptome wenig ernst und wartete ab. Dann ging sie mit Dani zur Hausärztin. Diese stellte einen zu tiefen Sauerstoffgehalt im Blut fest und vermutete, dass es sich um einen Asthma-Anfall handle.

Am nächsten Tag begann das, was Barbara Stucki als den schrecklichsten Tag ihres Lebens bezeichnet. Danis Zustand verschlechterte sich so sehr, dass ihn die Hausärztin in die Kinderklinik einwies. «Obwohl Dani in immer kürzeren Abständen inhalierte und Sauerstoff bekam, ging es ihm laufend schlechter. In der Nacht fühlte ich mich oft mit ihm allein gelassen und völlig überfordert. Er schrie und ich musste hilflos zuschauen, wie ihn die Atemnot quälte. Auf der Intensivstation erhielt Dani eine Kortison-Infusion. Dabei schlug er in Angst und Panik um sich und wir mussten ihn zu viert halten. Über Stunden inhalierte er immer wieder Medikamente und endlich besserte sich sein Zustand.»
Jetzt erfuhr Barbara Stucki von den Ärztinnen und Ärzten definitiv, dass Dani einen Asthma-Anfall hatte. «Damals wusste ich wenig über Asthma», erinnertsie sich. «Nie hätte ich gedacht, dass sich diese Krankheit so brutal äussert. In den folgenden Monaten erfuhr ich viel über Krankheit, Früherkennungssymptome von Krisen und Interventionsmöglichkeiten– auch von unserer Betreuerin von der Lungenliga.» Als Stuckis im folgenden Sommer nach Sardinien reisten, war Barbara Stucki einiges besser auf mögliche Attacken vorbereitet. «Trotzdem geriet ich in Panik, als sich die bekannten Symptome wieder zeigten. Ich rief die REGA an, die mir die Adressen zweier Spitäler durchgab. Im näher gelegenen Regionalspital mass man zwar Danis Sauerstoffgehalt, stand aber dem Problem ziemlich hilflos gegenüber. So kamen Dani und ich in haarsträubender, 75 km langer Fahrt mit der Ambulanz über einen Pass ins Universitätsspital, wo Dani endlich die nötige Therapie bekam.» «Ich hatte Angst davor, mit Dani per Fähre mehrere Stunden ohne ärztliche Betreuung zu reisen, und mir fiel ein Stein vom Herzen, als die REGA sich bereit erklärte, Dani und mich heimzufliegen.»
Barbara Stucki kann heute Danis Therapie viel besser steuern, auch wenn einige Unsicherheiten geblieben sind: «Ich bin unsicher, wann ich Dani Kortison verabreichen soll. Gebe ich es zu spät, kommt es wieder zum Notfall. Hustet Dani, spitze ich die Ohren und versuche herauszufinden, ob ich dasjenige Husten höre, bei dem meine Alarmglocke zu läuten beginnt. Die Angst von früher schwingt immer noch mit.»
Dani selbst wird mit fortschreitendem Alter seine Situation besser begreifen, sich besser ausdrücken und sein Asthma besser kontrollieren können. Ein kleiner, regelmässiger Höhepunkt in seinem heutigen Leben ist der wöchentliche Schwimmkurs der Lungenliga. «Dani freut sich jedes Mal riesig darauf. Hier kann er es mit anderen Kindern so richtig geniessen, denn Wasser ist sein Element geworden», bestätigt Barbara Stucki mit Stolz.
Peter Wilhelm, Trub
Jeden Dienstag 17-19 Uhr beantworten Ärztinnen und Ärzte Ihre Fragen zu Lunge und Atemwegen. Eine kostenlose Dienstleistung der Lungenliga.