
«Mama, schau mal, wie Zimi daliegt», ruft Jana lachend und streichelt den rot getigerten Kater, der sich auf dem Schoss ihrer Schwester Nina genüsslich ausdehnt. «Zum Glück sind Katzenhaare kein Problem für Jana», erzählt ihre Mutter, Karin Röthlisberger. Damals, als Janas Husten angefangen hat, gab die Familie zwei Katzen weg; aus Angst, ihre Tochter könnte auf die Tiere allergisch sein.
Aber selbst die Abwesenheit der Katzen, ein frisch umgebautes Haus ohne Teppiche und die Spezialbettwäsche in Janas Bett machten keinen Unterschied: Sie hustete immer weiter. Und dies oft drei bis vier Stunden ohne Unterbruch. «Die Winter waren besonders hart», erinnert sich ihre Mutter, «es war für uns normal, dass Jana im Winter drei- bis viermal krank wurde und Antibiotika nehmen musste.» Auch in den Ferien musste Jana regelmässig einen Arzt aufsuchen, weil sie plötzlich vom Husten überrascht wurde.

Besonders schlimm war für die Familie die Ungewissheit. «Mir tat Jana schrecklich leid, ich konnte ihr einfach nicht helfen», blickt Karin Röthlisberger zurück. Jana fühlte, dass sie wegen ihrem Husten anders war als andere Kinder, und das verunsicherte sie. Hustenanfälle in der Öffentlichkeit wurden für sie fast unerträglich. «Mama, darf ich hier husten?», fragte sie einmal beim Lottospielen, als sie husten musste und es still im Saal war. Die Blicke und Kommentare von Aussenstehenden machten ihr und ihren Eltern zu schaffen. «Wir fühlten uns oft wie Rabeneltern, die nicht zu ihrem Kind schauen. Dabei haben wir nichts unversucht gelassen», erklärt Janas Mutter.
Jahrelang wurden Janas Beschwerden vom Kinderarzt jeweils als Grippe abgetan. Aber für Karin Röthlisberger war klar, dass etwas nicht stimmte. «Bei keiner Grippe verläuft der Husten so wie bei Jana.» Es folgten Lungen- und Allergietests im Berner Inselspital, wobei die Allergietests alle negativ ausfielen. Es sind Kälte, beheizte Räume und Infekte, die bei Jana den Husten auslösen.
Dann stellte der Hausarzt endlich die erlösende Diagnose: Asthma. Die Familie atmete auf. «Endlich hatte die Krankheit einen Namen, endlich konnten wir etwas dagegen tun», beschreibt Mutter Karin den Moment, als sie die Diagnose erhielten. Und tatsächlich, auf die verschriebene Inhalationstherapie sprach Jana sofort sehr gut an. Seit Langem erlebte die Familie wieder einmal einen halbwegs entspannten Winter ohne stundenlange Hustenanfälle.
Anfangs inhalierte Jana bei ihrem Hausarzt. Schon bald gelangte die Familie an die Lungenliga, um ein Inhalationsgerät zu beziehen. Heute inhaliert Jana zu Hause. «Jana hat viel Lebensqualität zurückgewonnen und wir wissen endlich, was wir unternehmen können», erzählt ihre Mutter weiter. Und sie müssen das Mädchen nicht mehr so bremsen. Sie darf wieder bei Freundinnen übernachten, Sport treiben und einfach ein normales Leben führen. Alles Dinge, bei denen ihr früher der unberechenbare Husten einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

«Ich schwimme sehr gerne», erzählt Jana. Ihr Lieblingselement Wasser kann sie bald wieder in vollen Zügen geniessen. «Jetzt kann Jana auch ins Sportlager nach Magglingen fahren», sagt ihre Mutter. Auf das Lager wurde sie kürzlich von der Lungenliga aufmerksam gemacht. Auch ihre grosse Schwester Nina darf mitgehen. «Aber nur, wenn sie sich anständig benimmt », ergänzt Jana schelmisch, aber bestimmt.
Seit der Diagnose war die Lungenliga eine wertvolle Hilfe für die Familie. «Die Lungenliga- Mitarbeitenden zeigten uns, wie man das Inhaliergerät korrekt anwendet, und sie bieten uns jedes Jahr automatisch für die Revision auf», beschreibt Karin Röthlisberger die Beratung. «Wir haben gemerkt, dass wir nicht alleine sind. Viele Kinder haben Asthma, einige sogar noch viel schlimmer als Jana», so die Mutter weiter. Die Familie ist froh, dass sie das Asthma so gut in den Griff bekommen hat. Das Inhalieren gehört heute einfach für Jana dazu. «Oft denkt sie selber daran », lobt die Mutter ihre selbstständige Tochter.
«Wir haben akzeptiert, dass es ist, wie es ist, und wir kommen mit der Situation gut zurecht.» Natürlich hofft Karin Röthlisberger, dass das Asthma eines Tages verschwindet. Aber solange Jana so uneingeschränkt leben kann wie jetzt, ist es gut für sie.
Karina Turek,
Journalistin, Bern
Jeden Dienstag 17-19 Uhr beantworten Ärztinnen und Ärzte Ihre Fragen zu Lunge und Atemwegen. Eine kostenlose Dienstleistung der Lungenliga.