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"Mama, bring mich zum Arzt!"

Jonas* war fünf Jahre alt, als er unter Atemnot diese Worte sagte. Er entging knapp dem Tod. Wer ihn heute auf dem Skateboard vorbeiflitzen sieht, ahnt nicht, dass er Asthma hat. Dank Schulung der Lungenliga und der richtigen, angepassten Therapie geht es ihm heute gut.

Cappuccino-Schaum löste beim dreimonatigen Jonas eine erste heftige allergische Reaktion aus: «Jonas kriegte rote Flecken und sein Gesicht schwoll an. Tests bei der Kinderärztin bestätigten meinen Verdacht: Jonas hat Allergien auf Kuhmilch und Ei», erinnert sich die Mutter, Sandra Fischer*. Der Kleine brauchte zusätzlich zur Muttermilch noch einen Schoppen. «Das einzige Produkt, das er vertrug, war Reismilch aus dem Reformhaus.»

Von der Allergie zum Asthma

Obwohl die Allergieauslöser vermieden wurden, verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Babys. «Jonas schlief bei uns im Zimmer. Eines Nachts erwachte ich, weil der Kleine heftig keuchte. Sofort hob ich ihn hoch, wickelte ihn in ein Tuch und ging an die frische Luft. Es war grässlich, ich hatte keine Ahnung, was ich tun sollte! Jonas lief blau an, ich machte Wasserdampf und handelte instinktiv.»

 

Das Baby musste seit diesem Anfall mit bronchienerweiternden und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt werden. Mit einer extrakleinen Babymaske konnte Jonas inhalieren. Zudem fanden die Ärzte weitere Allergieauslöser: Hausstaubmilben und Schimmel. Die Eltern beschlossen, mit ihren zwei Kindern Anna* und Jonas in ein «Allergikerhaus» (kein Schimmel, keine Teppiche, keine Vorhänge, kaum Stofftiere und Puppen) zu ziehen. Sie mussten in ein anderes Dorf ziehen und ein neues Beziehungsnetz aufbauen.

Dunkle Zeiten

Thomas* und Sandra Fischer versuchten alles, damit Jonas gesund blieb. Dabei stiessen sie auch auf Unverständnis: «Wenn ich darum bat, Jonas keine Milch und Eierprodukte anzubieten, wurde mein Wunsch ignoriert. Ich übertreibe doch, so ein feines Guetzli schade nicht.» Den Ernst der Lage eingesehen hätten einige Verwandte erst, als Jonas vor deren Augen blau angelaufen sei. Eine bedrückende Zeit, die einen Teufelskreis auslöste. Je weniger sich die Mutter ernst genommen fühlte, je mehr zog sie sich zurück – und isolierte auch ihre beiden Kinder.

 

Anna besuchte bereits den Kindergarten und litt darunter, dass sie ihre Freunde nicht nach Hause einladen durfte: «Ich hatte solche Angst, Jonas könnte sich anstecken. » Die junge Mutter gab die Arbeit auf und widmete sich voll und ganz ihren Kindern. Entlasten konnte sie zu diesem Zeitpunkt keiner. Denn Sandra traute Aussenstehenden nicht mehr und diese schreckten wiederum vor der Verantwortung zurück, auf den «heiklen» Jungen aufzupassen. Jeder Infekt brachte schlaflose Nächte, Jonas’ Mutter verlor zusehends an Kraft und Gewicht.

Zurück ins Leben

Ein lebensbedrohlicher Anfall brachte die ganze Familie zurück ins Leben.

Jonas war 5-jährig. Heftiger Husten plagte ihn, er keuchte immer mehr: «Mami, bring mich zum Arzt, bitte!» Sein Gesicht hatte sich blauviolett verfärbt, die Eltern fuhren sofort ins Spital, wo sich das medizinische Personal eineinhalb Stunden vergeblich bemühten, die Lungen wieder zum Arbeiten zu bringen. «Da sah ich, wie sich Jonas’ Augäpfel nach hinten drehten und er ohnmächtig wurde. Der Drang, ihm zu helfen, war stärker als alles andere. Ich schob den Arzt zur Seite, packte meinen Sohn, schüttelte den kleinen Körper und schrie: ‹Jonas, öffne die Augen!›. Ich hatte solche Angst, er würde sterben. Und dann: ‹Mama? Bist du da, Mama?›» Es sei wie ein Wunder gewesen, ihr Mann hätte seine Arme um sie gelegt und sie festgehalten: «Mein ganzer Körper zitterte», erzählte Sandra eindringlich, als wäre es eben erst passiert.

Asthma-ABC

Nach diesem Schrecken wollten die Eltern alles über Asthma wissen. In der Asthma- Schulung «Die vier Freunde» der Lungenliga lernte die ganze Familie die chronische Krankheit kennen. Die Lungenliga hätte ihnen auch beim Kauf verschiedener Inhaliergeräte und bei deren Wartung geholfen. «Ich weiss einfach, dass ich mich auf die Lungenliga verlassen kann – auch in Notfällen.»

 

Ihre starke Angst hätte sie dank einem stationären Aufenthalt in Davos überwinden können, erklärt Sandra Fischer: «Jonas lernte andere Kinder mit Asthma In der Asthma-Schulung hat die Familie gelernt, mit der Krankheit umzugehen. näher kennen und fühlte sich verstanden. Und ich lernte meinen Sohn loszulassen und erkannte, wie wichtig es ist, ihn rumtoben zu lassen.» Ein Befreiungsschlag für die ganze Familie.

 

Anna kann seitdem ihre Freunde nach Hause bringen, Jonas geht zu Besuch, zusammen fahren alle in die Ferien – Mama und Papa wissen Bescheid und sind gut ausgerüstet mit Medikamenten und spezieller Bettwäsche (Milbenallergie).

 

Jonas ist seither aufgeblüht. Vorbei die Zeit, als er schüchtern, oft alleine und traurig war und sich zu wenig bewegte. Heute fährt Jonas Skateboard und an den Wochenenden spielt er Basketball.

 

Hänseleien tun ihm nach wie vor weh, aber er wehrt sich. Die Eltern haben einen guten Draht zur Schule, die Lehrerin weiss Bescheid. «Ich brauchte die Asthma-Schulungen, um meine tiefen Ängste zu überwinden. Sich Wissen von A–Z anzueignen, tat unendlich gut. Für uns alle fing ein neues Leben an!»

 

Barbara Richiger,

Journalistin, Kaufdorf

 

* Namen von der Redaktion geändert

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SF1 Sendung Puls vom 4.4.2011:

"Wenn Erwachsenen plötzlich der Atem fehlt"

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