
Lena ist noch nicht zuhause. Heute Nachmittag ist sie im Kindergarten. Mit ihren sechs Jahren hat sie schon so einiges erlebt. «Alles begann, als Lena zweieinhalb Jahre alt war», erinnert sich ihre Mutter. Ein Infekt löste einen heftigen Husten aus, der sich nicht mehr besserte. Petra Marti liess ihre Tochter untersuchen, gab ihr Medikamente, aber diese nützten nichts. Auch in der Folge hatte Lena immer wieder Infekte, begleitet von Atemnot und Hustenanfällen. «Eine Nacht war besonders schlimm», erzählt Petra Marti. «Lena bekam im Schlaf fast keine Luft mehr. Ich wollte sie aber nicht wecken, aus Angst, ihre Atmung würde dann vollständig aussetzen », sagt sie. Also liess sie Lena schlafen, weckte sie jeweils nur kurz, um ihr Medikamente in Form von Tropfen zu geben. Sie liess ihre Tochter auch immer wieder inhalieren und achtete darauf, dass sie weiteratmete. Petra Marti machte sich grosse Sorgen. Als Pflegefachfrau waren ihre Sinne geschärft. Lange war nicht klar, woran Lena litt. «Ich war der Verzweiflung nahe», schildert Petra Marti. Schliesslich nahm sie mit der Lungenliga Kontakt auf und wurde an einen Lungenspezialisten verwiesen. Im Februar 2007 diagnostizierte dieser frühkindliches Asthma.

Lena ist auf Katzen- und Pferdehaare allergisch. Endlich war klar, wieso sie immer wieder an Atemnot litt und Hustenanfälle hatte: Die Familie hatte zwei Katzen und Lena ging regelmässig reiten. Alle Allergene wurden aus dem Haus entfernt und die beiden Katzen schweren Herzens weggegeben. Dafür bekamen Lena und ihre grosse Schwester Anna* Schildkröten. «Nur das Reiten konnten wir ihr nicht nehmen, sie hängt so daran», schmunzelt Petra Marti. Die Leistungen und die Unterstützung der Lungenliga empfand die Familie als grosse Erleichterung. Im Oktober 2007 verbrachte Petra Marti zusammen mit Lena dreieinhalb Wochen in der Alpinen Kinderklinik Davos. Denn obwohl Lena gleich nach der Diagnose mit der Therapie begann, hatte sie noch oft Hustenanfälle. Zum Asthma kamen Untergewicht und ein Immundefekt hinzu. Dadurch war sie häufig krank, und schon der leichteste Schnupfen konnte einen Anfall auslösen.
Lena kommt zur Tür herein. In einer Hand hat sie ein zerdrücktes Stück Rüeblitorte. Und in der anderen ihre Tasche mit dem Notfallspray drin. «Lena geht sehr gut mit dem Asthma um», sagt Petra Marti. Sie weiss, was sie bei einem Anfall tun muss. «Inhalieren», sagt Lena und rümpft die Nase. Der wichtigste Teil ihrer Behandlung ist die regelmässige Trockeninhalation. Mit dem sogenannten Turbohaler inhaliert Lena jeweils morgens und abends. Der Notfallspray kommt nur bei einem Anfall zum Zug. Lena hat ihn immer dabei. Inhalieren gehört zu ihrem Tagesablauf wie Zähneputzen. «Lena ist sehr vorbildlich mit ihrer Therapie und absolut kooperativ », lobt ihre Mutter. Mirjam Gremminger, Beraterin bei der Lungenliga, bestätigt das. «Lena machte bei allen Tests und Therapien immer sehr gut mit. Sie bestand sogar selbst darauf, die Trockeninhalation zu lernen, obwohl dies für Kinder oft zu schwierig ist», erzählt die Beraterin. Lena hat bisher an mehreren Asthma-Patientinnen und -Patientenschulungen und am Schwimmkurs der Lungenliga teilgenommen. Dort hat sie gelernt, dass es noch viele andere Kinder mit Asthma gibt. Und dass auch der Bär Theo Asthma hat. «Theo ist allergisch auf Pollen, welche die böse Pollenhexe verstreut», erzählt Lena, «aber zusammen mit seinen Freunden kann Theo die Pollenhexe verscheuchen.» In der Asthma-Patientinnen und -Patientenschulung üben die Kinder die Inhalationstechnik und lernen, richtig auf ihre Atemnot zu reagieren.

Petra Marti hat keine Angst mehr. Inzwischen kann Lena sehr gut einschätzen, wann sie Atemnot hat und reagieren muss. Auch im Kindergarten sind alle informiert. «Das Wichtigste ist, dass man bei einem Anfall ruhig bleibt und nicht in Panik gerät», erklärt Petra Marti. Besonders wichtig ist ihr, dass Lena nicht isoliert wird. Bei allen sportlichen Aktivitäten im Kindergarten macht sie problemlos mit. «Sie kann sogar schneller rennen als ich», gibt ihre Schwester Anna zu. Dann verschwinden die beiden Mädchen zum Spielen. Petra Marti und ihre Familie haben das Schlimmste überstanden. Lena hat gute Aussichten, das Asthma in der Pubertät zu verlieren. Aber selbst wenn es im Erwachsenenalter bleiben sollte, lässt es sich auch dann therapeutisch gut im Griff behalten.
Valentina Röschli,
Journalistin, Zürich
* Namen von der Redaktion geändert
Jeden Dienstag 17-19 Uhr beantworten Ärztinnen und Ärzte Ihre Fragen zu Lunge und Atemwegen. Eine kostenlose Dienstleistung der Lungenliga.