«Schummeln gilt nicht», ruft José Andreas zu, der sich diesmal drücken möchte. «Rolf, dein Peak-Flow-Wert ist wirklich tiefer als normal. Inhaliere jetzt mit deinem Pulverinhalator. Wir warten noch kurze Zeit, dann beginnen wir mit dem Aufwärmtraining. Falls du im Boot Mühe hast, spüre ich es. Wir werden uns dann beim Rudern entsprechend anpassen.» Nach dem Aufwärmen mit Atemübungen wird der Achter, die «Rudergaleere», gemeinsam gewassert. José wird den Achter steuern. Als Steuerfrau sieht sie den Jugendlichen beim Rudern direkt zu und kann die Belastungsintensität optimal variieren.

Das Startkommando ist gefallen: Die Achter mit den Junioren im Boot zeigen einen fulminanten Start. An diesem Wochenende finden die Schweizer Meisterschaften auf dem «Göttersee» in Luzern statt. Wir vom Powerlungs-Team fiebern zusammen mit den Eltern am Zielgelände mit. «Hopp Michi, hopp Thomas!» Thomas und Michael, Zwillinge mit Asthma, haben im ersten Ruderkurs für Jugendliche mit Asthma mitgemacht. «Sie gewinnen, sie siegen!» jubeln die Eltern überglücklich. Das Ruderboot mit den Zwillingsbrüdern wird in diesem Rennen Schweizer Meister bei den Junioren (15/16 Jahre) im Achter. Und im Doppelvierer werden sie am gleichen Wochenende zusätzlich Vizemeister.
«Junge Asthmapatientinnen und -patienten sind ehrgeizig.» Dies ist die Überzeugung des Teams, welches das Programm Powerlungs for young asthmatics leitet. «Asthmapatientinnen und -patienten sind Siegertypen. Ich will nicht einfach das Asthma diagnostizieren und behandeln. Ich will vielmehr Coach und Ratgeber meiner jungen Patienten sein.» Therapiepläne werden mit den Jugendlichen gemeinsam erarbeitet und vereinbart, nicht einfach verordnet. Der Sport, gleich welcher Art, ist dabei ein wesentlicher Pfeiler des Therapieplans. Es gilt, dem Teufelskreis von Atemnot – körperlicher Inaktivität – Dekonditionierung und noch mehr Atemnot – noch weniger körperlicher Betätigung – mangelnder Selbstsicherheit – entschlossen entgegenzuwirken. Gute Ratschläge reichen erfahrungsgemässnicht aus. Es braucht ein engagiertesTeam, das die Jugendlichen zum Sport hinführt. Dies ist die Überzeugung des Lungenfacharztes im Team.
Selbstbewusst tritt Anja am Kids day während der internationalen Rudermeisterschaften auf dem Rotsee ans Mikrofon des Lokalradios. Alle Jugendlichen, die an den Ruderkursen teilnahmen, sind am Rotsee mit der Weltelite im Rudern hautnah zusammen. Anja fand wegen ihres Asthmas in keiner Clique Zugang. Heute strahlt sie zuversichtlich und freut sich auf die Premiere: Rudern in einem 16er Boot, geleitet von den weltbesten Ruderern! Die erfolgreiche sportliche Aktivität bringt den Jugendlichen Selbstvertrauen und Selbstsicherheit zurück. Und was die Eltern besonders freut: Auch die schulischen Leistungen verbessern sich.
Gelbe Ruderboote gleiten auf dem Vierwaldstättersee, dem Sarner- und Sempachersee und auf dem Schiffenensee übers Wasser. Schwitzende Mädchen und Jungs mit Asthma im Boot. Die Krankheit haben sie alle im Griff… mit festem Griff am Ruder, das sie kräftig durch das Wasser ziehen. Die Ruderkurse werden spezifisch nach sport-medizinischen Grundsätzen und auf das Asthma bei Jugendlichen hin ausgerichtet. Die Luft unmittelbar über der Seeoberfläche ist feucht, sauber, schadstoffarm und temperaturausgeglichen. Jugendliche mit Enge über der Brust erfahren sinnlich die Weite unserer Seen. Die Rudertechnik gibt den Atemrhythmus vor, die Atemmuskulatur wird trainiert. Dank der ruhigen, rhythmischen Ruderbewegung wird eine gute Atemtechnik gefördert. Vor allem, wenn – wie bei unseren Kursen – eine Physiotherapeutin das Boot steuert und die Jugendlichen in jeder Phase des Trainings direkt beobachten kann und atmen hört.
Powerlungs und Lungenliga arbeiten bei der Durchführung der Ruderkurse eng zusammen. Die Kursunterlagen und Kursbücher wurden vom Team Powerlungs erarbeitet. Organisation und Administration der Ruderkurse erfolgen durch die kantonalen Lungenligen und die örtlichen Ruderclubs. Die Eltern werden zusätzlich in Vorträgen über das Asthma geschult. Verschiedene kantonale Lungenligen planen, dieses Rudertraining anzubieten. Interessierte Jugendliche und Eltern kontaktieren bitte ihre kantonale Lungenliga.
Jeden Dienstag 17-19 Uhr beantworten Ärztinnen und Ärzte Ihre Fragen zu Lunge und Atemwegen. Eine kostenlose Dienstleistung der Lungenliga.