Ernst Ammann war Buchhalter aus Leidenschaft. Er schlief wenig und arbeitete viel. Bis ihm vor 12 Jahren die chronisch obstruktive Lungenkrankheit COPD einen Strich durch die Rechnung machte. Zwischenbilanz eines Leidenswegs, aus dem eine persönliche Erfolgsgeschichte wurde.

Listen, Tabellen und Zahlen – das ist Ernst Ammanns Welt. Seine Krankheit wird bis ins Detail schriftlich dokumentiert, darüber zu sprechen fällt ihm hingegen etwas schwerer. Heute macht er eine Ausnahme, zusammen mit seiner Frau. Bevor Ernst Ammann seine Geschichte zu erzählen beginnt, rückt er die Sauerstoffbrille zurecht, denn das Reden strengt ihn an. Seine wachen Augen aber sprechen für sich: Dieser Mann hat viel erlebt, und er hat trotz Einschränkungen seinen aktiven Geist bewahrt. Bis vor etwa 12 Jahren führte Ernst Ammann ein Leben auf der Überholspur. Er arbeitete intensiv, betrieb Leichtathletik und war für die Familie da.
Doch dann machten sich erste gesundheitliche Probleme bemerkbar, die er zunächst aber ignorierte. «Der Herbstnebel bereitete mir Mühe beim Atmen, und im Winter war ich oft erkältet», erinnert er sich. Auf einem Wanderausflug mit Freunden dann plötzlich das eindeutige Zeichen: Ernst Ammann blieb die Luft weg.

Der Hausarzt äusserte den Verdacht als Erster. «Es war das erste Mal, dass ich die vier Buchstaben COPD hörte», sagt Sylvia Ammann. Und dann die definitive Diagnose – ein Rückschlag für die ganze Familie. Die Atemnot, die unaufhaltsame Entzündung der Atemwege und dass das Fortschreiten der Erkrankung zwar verlangsamt, aber nicht gestoppt werden kann, waren durchwegs schlechte Nachrichten.
«Sich mit dem Gedanken abfinden zu müssen, dass COPD nicht heilbar ist, hat mich geschockt», erzählt Sylvia Ammann. Auf die Diagnose folgte das schwierigste Jahr in der ganzen Krankheitsgeschichte. Ernst Ammann musste seine langjährige Arbeitsstelle aufgeben, da die Firma Konkurs ging. Der neue Arbeitsweg war sehrlang. Zudem konnte er wegen Farbdämpfen durch einen Umbau am neuen Arbeitsort nur schwer atmen. Diese Situation war für ihn und seinen gesundheitlichen Zustand unerträglich. Er musste sich krankschreiben lassen.
So plötzlich aus dem Arbeitsprozess herausgerissen und mit einer ungewissen finanziellen Situation konfrontiert, fiel Ernst Ammann mit 59 Jahren in ein tiefes Loch. «Die Einstellung ‹ich bin krank› machte sich breit und ich hockte nur noch zu Hause, was alles noch schlimmer machte», erzählt er. Zeitweise konnte er nur noch knapp zehn Schritte am Stück gehen. Ernst Ammann fehlte die Energie für alles. Doch dann rappelte er sich auf.

«Ich bewegte Ernst dazu, ein Velo zu kaufen. Kein normales, denn das wäre zu anstrengend gewesen, sondern ein Elektrovelo », erzählt Sylvia Ammann. Ihr Mann gewann wieder Freude an der Bewegung im Freien. Mittlerweile war er – rund drei Jahre nach der Diagnose – rund um die Uhr auf die künstliche Sauerstoffzufuhr angewiesen.
Für sein Elektrovelo entwarf Sylvia Ammann einen speziellen Behälter aus Holz, damit er seinen überlebenswichtigen portablen Sauerstofftank überallhin mitnehmen konnte. «Zunächst war es unmöglich, grössere Ausflüge zu machen, da es unterwegs keine Sauerstofftankstellen gab, aber mittlerweile ist das kein Problem mehr», sagt er.
Die Begeisterung fürs motorisierte Zweirad ist ihm anzusehen. Auch aus dem Umfeld bekam Ernst Ammann positive Rückmeldungen, als er wieder aktiv wurde. «Die Kinder akzeptierten die Krankheit zwar von Anfang an gut. Aber als sie feststellten, dass er wieder etwas macht und sich Sorge trägt, war das eine Erleichterung für uns alle», erinnert sich seine Frau.

Wie sie den Tag gestalten, entscheiden Ernst und Sylvia Ammann meistens spontan – je nach Wetter und Befinden. Durch die 24-Stunden-Therapie mit Flüssigsauerstoff und weiteren Massnahmen hat Ernst Ammann sowieso einen streng einzuhaltenden Zeitplan. Einmal pro Woche steht die Physiotherapie im Rahmen der pulmonalen Rehabilitation bei der Lungenliga auf dem Programm. Zweimal jährlich werden die Geräte kontrolliert. Und auch an Veranstaltungen der Lungenliga nimmt er teil – zum Beispiel an den Luftholtagen in Weggis. «Meine Frau muss jeweils mitkommen, da ich nicht allein Ferien machen will», schmunzelt er. «Dort hatte auch ich eine grosse Entlastung », ergänzt Sylvia Ammann. «Ich bin von der professionellen Betreuung begeistert, und selbst für die begleitenden Angehörigen gibt es ein spannendes Programm sowie einen wichtigen Erfahrungsaustausch. »
«Ich kenne viele COPD-Kranke, die ihr Haus nicht mehr viel verlassen. Am Anfang ging es mir genauso. In der Zwischenzeit habe ich mich aber gut an die Umstände gewöhnt. Und das Wichtigste: Ich habe meine Lebensqualität wiedergefunden », erklärt Ernst Ammann. Dass sorglose Tage nicht selbstverständlich sind, weiss er aber auch. Trotz gut eingestellter Therapie leidet er immer wieder unter Atemnot. Bei solchen Rückfällen weiss er sich mittlerweile aber gut selbst zu helfen. So trägt er zum Beispiel immer eine Liste mit Medikamenten und eine Patientenverfügung mit sich. «Man muss positiv bleiben», bilanziert er und blickt seine Frau an. «Wir möchten es geniessen, solange es nur geht», sagt sie. Und mit dieser Einstellung wird die Rechnung für die beiden auch in Zukunft aufgehen.
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Jeden Dienstag 17-19 Uhr beantworten Ärztinnen und Ärzte Ihre Fragen zu Lunge und Atemwegen. Eine kostenlose Dienstleistung der Lungenliga.