G.F.*, ein heute 61-jähriger Techniker, verursachte vor rund 5 Jahren innert kurzer Zeit zwei Verkehrsunfälle, den letzten, weil er an einem Rotlicht-Signal eingeschlafen war. «Meine Symptome waren markante Tagesmüdigkeit, Konzentrationsmangel und lautes Schnarchen in der Nacht. Den Anstoss, zum Arzt zu gehen, gab meine Frau. Sie konnte nicht mehr schlafen und meine Atem pausen ängstigten sie.» Der Pneumologe diagnostizierte nach einer Untersuchung im Schlaflabor Sauerstoffmangel aufgrund einer Apnoe. Die Therapie: Schlafen mit einer Maske. «Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten, mit der neuen Situation umzugehen. Meine Frau hat sich mehr schlecht als recht daran gewöhnt.» G.F.* nahm am Anfang auch Psychopharmaka, um die Situation besser in den Griff zu bekommen. «Die Angewöhnung ans Schlafen mit der Maske brauchte einige Zeit, aber schliesslich ging es besser.»
Die Geschichten ähneln sich. Manche Schlafapnoe-Patientinnen und -Patienten sind gegen 60 Jahre oder älter. Ihre Ehegatten, Lebenspartnerinnen oder Lebenspartner gehören oft zur gleichen Generation. Die Kinder sind erwachsen und ausgezogen; viele Schlafapnoe-Betroffene sind bereits Grosseltern. Erotik und Sex werden dankbar genossen, sind aber häufig nicht mehr so zentraler Motor und Bestimmungsfaktor einer Beziehung wie in jüngeren Jahren. Dennoch möchte man Erotik so lange und intensiv wie möglich geniessen, auch mit Schlafapnoe. Nach einer Angewöhnungszeit an ein CPAP-Gerät wiegt der Gewinn an Lebensqualität die Umständlichkeit der Nasenmaske auf. Wenn mit Maske und Therapie die Lebenslust und Potenz wieder zunehmen, kann auch das Liebesleben wieder genossen werden. Allerdings sind die Masken und Beatmungsgeräte im Schlafzimmer für die Partnerinnen oder Partner oft Fremdkörper, an die man sich nur schwer gewöhnt. Da kann es helfen, in getrennten Schlafzimmern zu schlafen.
B.G.*, ein heute rund 45-jähriger Informatikspezialist, erinnert sich an die Zeit vor der Schlafapnoe- Diagnose vor 10 Jahren. «Wir hatten lange Zeit ein intensives und zärtliches Ehe leben und genossen unsere Intimität. Aber ich musste ständig mit dem Schlaf kämpfen, sogar beim Vorspiel. Meine CPAP-Therapie hilft mir weiter. Meine Frau empfindet jedoch auch nach vielen Jahren dieses Gerät als etwas Schreckliches und will mich nicht darin sehen. Und auch nicht sprechen darüber, obwohl sich dank Therapie und Maske mein ganzes Leben und unser Intimleben wieder intensiviert und verbessert hat. Ich muss zum Schlafen das Zimmer wechseln und wir vermissen die Zärtlichkeit und das Kuscheln danach. Aber ich muss meine Maske 6 bis 8 Stunden pro Nacht tragen. Es geht halt nicht anders. Unsere Kinder haben übrigens kein Problem mit der Situation.»
H.S.*, 53, Handwerker und viel auf Reisen, löst das Problem ganz praktisch. «Wenn ich vor meiner Partnerin im Bett bin, nehme ich die Maske ab und verstecke sie und das Gerät. Was man nicht sieht, spielt in derartigen Augenblicken keine Rolle. Unser Sex ist vielleicht etwas geplanter und weniger spontan, aber ich nehme hier auf die Gefühle meiner Frau natürlich Rücksicht, sie tut es ja auch bei mir. Und weil es mir besser geht, geht es uns gemeinsam besser.»
Wie wird die Diagnose Schlafapnoe angenommen?
«Mehrheitlich wird die Diagnose Schlafapnoe wie auch deren moderne, apparative Therapie gut angenommen, weil meistens der Leidensdruck hoch ist und sich der Zustand und die Befindlichkeit unter der Therapie rasch verbessern. Eine ganz entscheidende Rolle spielt dabei allerdings die partnerschaftliche Beziehung.»
Wie wirkt sich das Schlafen mit Maske auf die Partnerschaft aus? Was erleben Sie in der Praxis?
«Vor allem Frauen haben zu Beginn ein zwiespältiges Verhältnis zur Therapie und fühlen sich unabhängig vom Alter durch die Masken recht stark gehemmt. Die Frauen können aber sehr offen darüber sprechen. Mit Einfühlungsvermögen und sachlicher Information gelingt es aber in den meisten Fällen, bei Mann und Frau eine gute, meistens sogar sehr gute Motivation zu erreichen. Erfahrungsaustausch unter den Betroffenen und Selbsthilfegruppen können zusätzliche wertvolle Unterstützung bieten.»
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