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Guter Schlaf für Körper und Geist

Eines Nachmittags erwachte Dr. Daniel Braun*, Internist an einem Spital, ganz plötzlich – auf der Überholspur der Autobahn. Dass während des Sekundenschlafs nichts Schlimmeres passiert war, lag nur daran, dass die Autobahn relativ leer und relativ gerade war. Dr. Braun fuhr auf den nächsten Parkplatz und gönnte sich eine halbe Stunde Schlaf. Dann vereinbarte er einen Termin bei einem befreundeten Lungenspezialisten.

Erste klare Anzeichen der Schlafapnoe hatte Dr. Braun geflissentlich ignoriert:
«Ich wollte doch nicht mit so einem Rüssel ins Bett gehen.» Dabei war er ein typischer Risikopatient: älter als 45, übergewichtig (BMI = 34) und wegen des starken Schnarchens seit Jahren Alleinschläfer. Er wusste auch, dass er am sogenannten Metabolischen Syndrom litt, dem tödlichen Quartett von Risikofaktoren für vorzeitige Arteriosklerose mit Folgen wie Herzinfarkt oder Hirnschlag:

  • Sein Körper hat die typische Apfelform: das Übergewicht «sitzt» vor allem am und im Bauch.
  • Der erhöhte Blutdruck war mit Medikamenten nicht in den Griff zu bekommen.
  • Der Fettstoffwechsel war gestört, sodass er zu wenig gutes (HDL) und zu viel schlechtes (LDL) Cholesterin im Blut hatte.
  • Beide Eltern hatten unter Altersdiabetes gelitten, sodass eine solche Anlage auch bei ihm zu vermuten war.

Das gefährliche Fett im Bauch

Das Fett im Bauch ist eine höchst leistungsfähige Hormonfabrik. Die produzierten Botenstoffe können eine Schädigung der Arterienwände, eine Insulinresistenz, einen Bluthochdruck, erhöhte Blutfette (vor allem LDL-Erhöhung) auslösen und können schlussendlich wieder die Produktion des gefährlichen Bauchfettes anregen.
Als sein Arzt die Diagnose Schlafapnoe bestätigte, begann Dr. Braun sich stärker für den Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und dem Metabolischen Syndrom zu interessieren. Die wenigen vorhandenen Studien zeigen, dass mit der Behandlung der Schlafapnoe offenbar auch das Metabolische Syndrom abgeschwächt und so das Risiko für koronare Herzerkrankungen gesenkt werden kann.

Guter Schlaf

Die kurzen Atemstillstände während der Nacht lassen sich durch Überdruckbeatmung relativ einfach behandeln. Die Betroffenen schlafen wieder durch, ihr Körper schüttet weniger Stresshormone aus. Damit verschwindet nicht nur die Tagesmüdigkeit. Auch der Blutdruck und die Insulinresistenz sinken – vermutlich wegen des geringeren Ausstosses an Stresshormonen. Wer ausgeschlafen ist, hat am Tag mehr Lust zu körperlicher Bewegung. Zudem ist der Zusammenhang zwischen gutem Schlaf und – leichter – Gewichtsreduktion wissenschaftlich nachgewiesen. Dr. Braun überraschte sich selbst: Er nahm innerhalb weniger Monate nach Beginn der Behandlung 10 Kilogramm ab! «Auch Demenz ist eine nachgewiesene Folge von Schlafapnoe», erzählt Dr. Braun und erinnert sich, dass er vor der Diagnose Schwierigkeiten hatte, sich Laborwerte zu merken, die er kurz vorher noch nachgeschaut hatte. Heute funktioniert sein Kurzzeitgedächtnis wieder einwandfrei.

Eine Abklärung lohnt sich

Die Konsequenz: Wer vom Metabolischen Syndrom betroffen ist oder weiss, dass einige der erwähnten Risikofaktoren auf ihn zutreffen, sollte sich auch auf Schlafapnoe untersuchen lassen und seine Chancen auf ein langes, gesundes Leben erhöhen.

 

Roswitha Menke, Texterin, Bern

 

* Name von der Redaktion geändert.

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