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«Die Therapie hat mein Leben verändert.»

Felix Maurer* fühlte sich jeden Morgen wie ausgepumpt. Regelmässig musste er sein Auto anhalten, um einige Minuten zu schlafen. Eines Tages nickte er während der Fahrt ein. Im letzten Moment wachte er auf und konnte das Steuer gerade noch herumreissen, um einem Lastwagen auszuweichen. Als er daraufhin wegen seiner extremen Müdigkeit zum Arzt ging, stellte dieser die Diagnose Schlafapnoe.

Der 43-jährige Felix Maurer ist glücklicher Vater zweier Mädchen im Alter von 11 und 4 Jahren. Der gelernte Käser arbeitet als Marketing- und Promotionsbeauftragter bei einer Vereinigung von Milch- und Käseproduzenten und ist viel mit dem Auto unterwegs. Schon als Kind litt er an Atemproblemen: Er war häufig erkältet, seine Nase war immer verstopft. Die operative Entfernung der Mandeln und Polypen brachte nicht die erhoffte Besserung. Neben den Problemen mit der Atmung kämpfte Felix Maurer aber auch mit einer dauernden, extremen Müdigkeit. Als junger Mann schlief er häufig nach dem Essen mit Kollegen am Tisch einfach ein. Lange Sitzungen waren für ihn ein ewiger Kampf gegen den Schlaf. Dann traf er Eva*, seine zukünftige Ehefrau. Schon zu Beginn ihrer Beziehung sagte sie ihm, dass er nachts extrem laut atme. Felix Maurer erinnert sich: «Ich habe zwar nicht wirklich laut geschnarcht, dafür aber sehr laut geatmet. Morgens um neun Uhr war ich wie ausgepumpt und musste mein Auto anhalten, um einige Minuten zu schlafen. Ich dachte, der Grund für diese Müdigkeit seien meine Arbeit und die langen Fahrten.» Sein soziales Leben litt spürbar unter der Müdigkeit. Felix Maurer begann, sich vor Einladungen zu fürchten: Würde er schon wieder am Tisch einschlafen oder den ganzen Abend damit verbringen, mühsam gegen den Schlaf anzukämpfen, statt die gemütliche Stimmung geniessen zu können? Auch seine Frau war beunruhigt und drängte ihn zu einem Arztbesuch. Er fühlte sich aber nicht krank. Trotzdem versprach er seiner Frau, das Problem bei der nächsten Kontrolluntersuchung anzusprechen.

Lebensgefährliche Situation

Doch noch bevor Felix Maurer seinem Arzt von seiner extremen Müdigkeit erzählen konnte, brachte ihn diese in Lebensgefahr: Eines Morgens nickte er am Steuer ein und scherte auf die linke Fahrbahn aus. In allerletzter Sekunde wachte er auf, riss das Steuer nach rechts und konnte einem entgegenkommenden Lastwagen knapp ausweichen. Für Felix Maurer ist dieser Schockmoment heute noch sehr präsent: «Dann habe ich am Strassenrand angehalten. Ich war in Panik, mein Herz schlug wild!» Es schoss ihm durch den Kopf, welch katastrophale und fatale Folgen ein Unfall gehabt hätte: Sein Tod oder eine ernsthafte Behinderung, die Konsequenzen für seine Frau und seine Töchter, die Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer. «In diesem Moment war mir klar, dass etwas geschehen musste, und zwar schnell …»

311 Atemaussetzer in 5 Stunden!

Felix Maurer bekam rasch einen Arzttermin und der Arzt erkannte die Symptome sofort. Aufgrund der ersten Untersuchungen verordnete ein Lungenfacharzt eine sogenannte Polysomnografie – eine Untersuchung im Schlaflabor. Felix Maurer verbrachte eine Nacht im Spital, wo er an verschiedene Messgeräte angeschlossen wurde. Das Ergebnis war selbstredend: Felix Maurers Atmung hatte während dieser Nacht 311 Mal ausgesetzt! Die Diagnose war eindeutig: Felix Maurer leidet an einer Schlafapnoe.

Endlich wieder gut schlafen

Sein Arzt überwies ihn zur Behandlung an die Lungenliga. Dort erhielt Felix Maurer ein sogenanntes CPAP-Gerät mit einer Maske. Die Betreuerin erklärte ihm, wie das Gerät funktioniert und wie er die Maske anpassen musste. CPAP steht für Continuous Positive Airway Pressure. Das Gerät leitet während der Nacht Luft mit leichtem Überdruck in die Atemwege und verhindert so die Atemaussetzer. Endlich verbrachte Felix Maurer wieder erholsame Nächte. «Die Therapie hat mein Leben verändert. Klar habe ich zwei, drei Nächte gebraucht, um mich an die Maske zu gewöhnen », sagt er und fährt fort: «Aber meine Einstellung war von Anfang an positiv, trotz den kleinen Unannehmlichkeiten. Das Gerät macht viel weniger Lärm, als ich es während Jahren mit meinem Atmen tat. Die Maske stört also meine Frau keineswegs.» Auch für die beiden Töchter ist es nichts Aussergewöhnliches, dass ihr Vater mit dieser Maske schläft. Fragt man die 11-jährige Lara*, wie sie dieses komische Gerät findet, so antwortet sie mit Achselzucken: «Was soll schon komisch sein an diesem Gerät? Es hilft meinem Vater einfach besser zu atmen! » Das CPAP-Gerät ist für Felix Maurer zu einem genauso vertrauten und unentbehrlichen Gegenstand geworden wie die Zahnbürste. Als er und seine Familie letztes Jahr in die Ferien fuhren, vergass er, das Gerät einzupacken: «Ich habe es mir per Post nachschicken lassen. Das Paket kam lange nicht an, ich habe neun Tage darauf gewartet. Natürlich habe ich den Unterschied gespürt. Zum Glück hatte ich Ferien!»

Die Diagnose rettet Leben

Seit seine Schlafapnoe behandelt wird, hat Felix Maurer seine Freizeitbeschäftigungen wieder aufgenommen: «Selbstverständlich bin ich manchmal noch müde, aber ich habe keine Angst mehr, abends auszugehen. Ich fahre auch wieder Rad und Ski. Kurzum, ich führe ein ganz normales Leben. Und wenn ich Kollegen treffe, die – so wie ich früher – dauernd einschlafen, spreche ich sie darauf an. Etliche von ihnen waren beim Arzt und bei einigen wurde eine Schlafapnoe diagnostiziert. Die Menschen sollen wissen, dass diese Diagnose Leben retten kann.» Felix Maurer trifft sich regelmässig mit seiner Betreuerin der Lungenliga: «Ich kenne sie jetzt seit acht Jahren und sie gehört fast zur Familie. Sie kontrolliert das CPAP-Gerät, beantwortet meine Fragen und zeigt mir die Neuheiten. Ich weiss, dass ich mich beim geringsten Problem an sie wenden kann.» Zudem gehört Felix Maurer einer Erfahrungsaustauschgruppe von Schlafapnoe-Betroffenen an. Regelmässig werden Sorgen, Erfolge, Ratschläge und Tipps ausgetauscht. Felix Maurer helfen diese Gespräche, um mit der Krankheit besser umgehen zu können: «Ich fühle mich mit meiner Krankheit nicht isoliert. Dieser Austausch ist für mich wichtig.»

 

Sonia Martin,

Journalistin, Yvonand

 

* Namen von der Redaktion geändert

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