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«Ich bin nur knapp dem Tod entronnen.»

Als Hans Martin Wegmüller bei einem Autoselbstunfall in Nordkalifornien vor zwei Jahren haarscharf am Tod vorbeiging, wusste er nicht, dass er an Atemstillständen im Schlaf, dem so genannten Schlafapnoe-Syndrom litt und massiv gefährdet war. Das wurde erst im Laufe des vergangenen Jahres entdeckt.

Ein warmer Oktobertag in Nordkalifornien. Wir schreiben das Jahr 2003. Der seit 1996 pensionierte Ex-Manager Hans M. Wegmüller fährt nach dem Besuch bei seinem ausgewanderten Sohn in Richtung Los Angeles; er ist allein im Auto. Fühlt sich gut in Form, hat nichts getrunken, ist weder auffallend müde noch übersättigt. Und er wählt der Gemütlichkeit halber eine Nebenstrasse. Die Klimaanlage läuft und Wegmüller denkt: «Wie schön ist doch diese Landschaft mit den erntereifen Baumwollfeldern.»

Ein Horror-Crash

Dann der Schock. Wegmüller erwacht plötzlich aus einem Alptraum und kommt für ein paar Sekunden wieder zu sich. Er erzählt: «Ich weiss nicht, was da abgegangen ist, kann mich an nichts erinnern. Ich liege am Boden auf dem Rücken und vor mir breitet sich eine Phalanx von Polizei, Feuerwehr, Rettungswagen, Sanitätern und einem Helikopter aus, welche die Strasse absperren. Ich kann gerade noch die Rufnummer meines Sohnes stammeln. Dann tauche ich endgültig ab. Von einem Unfall habe ich nicht die leiseste Ahnung.» Mit dem Rettungshelikopter wird Wegmüller ins 50 km entfernte Medical-Center von Fresno geflogen. Diagnose: zahlreiche Rippenbrüche, Lungenriss, doppelter Oberschenkelbruch.

Ein Schutzengel war dabei

Wieder bei Bewusstsein, erkundigt sich Wegmüller nach dem Hergang des Unfalls. Der Fahrer eines Kleinlastwagens, der Wegmüller auf der andern Strassenseite korrekt entgegenkam, sagt gemäss Unfallprotokoll aus: «Es war zum Verzweifeln. Ich sah, wie die mir entgegenkommende Limousine sukzessive nach links auf meine Strassenseite driftete. Nach rechts konnte ich nicht mehr ausweichen, sonst wäre ich über eine Böschung hinabgestürzt. Von da an weiss ich nichts mehr.» Erwiesen ist, dass sich die beiden Autos beim Zusammenprall um ihre eigenen Achsen drehten. Beide Wagen erlitten bei diesem fürchterlichen Zusammenstoss Totalschaden. Ein Wunder, dass kein Todesopfer zu beklagen ist.

Fragen nach der Ursache

In der Schweiz wurde Hans Wegmüller im Spital nachbehandelt. Die Physiotherapien dauerten monatelang. Aber plötzlich stand etwas anderes im Vordergrund: Wie hatte es zu diesem Unfall kommen können? Wodurch wurde dieser Selbstunfall überhaupt verursacht? Nun wurde Wegmüller auf Herz und Nieren geprüft. Ein 24-Stunden-Kardiogramm wurde angeordnet, Hirnuntersuchungen im Magnetresonanz-Tomographen gemacht. Ein Neurologe suchte nach Epilepsie-spezifischen Potenzialen. Gefunden wurde nichts. Weitere Abklärungen wurden zu jenem Zeitpunkt nicht durchgeführt, bis Herr Wegmüller mehr zufällig selbst auf das Dossier «Schlafapnoe-Syndrom» der Lungenliga stiess. Er lud es vom Internet herunter und ist dabei erschrocken: «Das hier scheint ja genau meine Geschichte zu sein, inklusive Warnung vor dem Einschlafen am Steuer.»

Nächtliche Atemaussetzer

Wegmüller liess sich daraufhin von einem Lungenfacharzt unter suchen. Dort erzählte Wegmüller, dass er langjähriger Schnarcher ist. Allerdings konnte er sich nicht daran erinnern, je wegen Atem stillständen aufgewacht zu sein. Seine Frau hingegen hatte seine Atemaussetzer angeblich genau und mit wachsender Besorgnis wahr genommen. Schlafapnoe-Betroffene haben teils über 200 nächtliche Atempausen, so genannte Apnoephasen. Im Schlaflabor wurden bei Hans Martin Wegmüller nachts im Durchschnitt 30 Atemaussetzer pro Stunde gemessen. Seither hilft die Lungenliga Hans Martin Wegmüller erfolgreich mit dem CPAP-Gerät, das er jede Nacht benutzt. Dabei wird mittels eines Gebläses ein konstanter Überdruck erzeugt. Das Gerät saugt Raumluft an und führt diese über einen Schlauch via Nasenmaske der Patientin oder dem Patienten zu. Der Überdruck hält die oberen Luftwege, d.h. Gaumen und Rachen, wie ein konstantes Luftkissen offen und verhindert so die Atemstillstände.

Täuschende Tagesmüdigkeit

Eine Frage blieb jedoch ungeklärt: Weshalb hatte bei Hans Wegmüller nicht eine auffällig hohe Tagesmüdigkeit auf das Schlafapnoe-Syndrom hingewiesen? Der Patient weiss die Antwort: «Seit ich pensioniert bin, habe ich immer ein willkommenes Mittags-Nickerchen gemacht. So habe ich wohl den fehlenden Tiefschlaf der Nacht nachgeholt. Und ausgerechnet am Tag meines Autounfalls, der zeitlich in die Mittagszeit fiel, hatte ich auf mein Nickerchen verzichtet.»

 

Text: Rolf Mühlemann

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