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«Hey Mami, du bist nicht eingeschlafen!» Es war eines der vier Kinder von Isabella Bachofer-Stoll, das freudig merkte, dass sie seit Jahren erstmals einen Film bis zum Ende gesehen hatte. «Früher habe ich das nie geschafft. Sobald ich in Ruhe ein paar Zeilen lesen oder fernsehen wollte, schlief ich ein», erinnert sie sich. Morgens war sie so müde, als wäre sie stundenlang wach gewesen. Aus dem Bett aufzustehen, war für sie eine Qual, weil sie von der Nacht wie gerädert war. Erst nachdem sie morgens geduscht hatte, ging es besser. Damals hat sie sich darüber nicht gewundert, heute weiss sie, woher diese Müdigkeit kam.

Schlafapnoe ist eine heimtückische Krankheit. Viele der Betroffenen wissen jahrelang nicht, dass im Schlaf ihre Atmung zwischen 50 und mehreren hundert Mal pro Nacht aussetzen kann. Die sich einschleichenden Folgen sind Herz-Kreislauf- Probleme, Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen, starke Kopfschmerzen bis hin zu sozialen Problemen und Depressionen. Wird Schlafapnoe nicht erkannt und behandelt, kann es sogar zum Sekundenschlaf am Steuer führen. Das Problem kennt auch Isabella Bachofer-Stoll: «Längere Autofahrten wurden immer mühsamer. Ich habe gemerkt, dass ich wahnsinnig müde wurde und mich zusammenreissen musste, um nicht einzunicken. Meistens habe ich das Fenster ganz weit aufgemacht, um frische Luft reinzulassen.» Am liebsten waren ihr deswegen Fahrten, auf denen jemand mitkam. So blieb sie im Gespräch und war von der Müdigkeit abgelenkt. Doch nie hatte sie daran gedacht, sie könnte krank sein, sondern führte ihre Schlappheit auf die Arbeit zurück. Schliesslich hatte Isabella Bachofer-Stoll auch im viel zu tun: Ihr Sohn Peter (23) ist behindert und braucht ihre Zuwendung. Zudem betreut sie als Tagesmutter Kinder, arbeitet bei der Spitex, engagiert sich für ihr Hobby Blasmusik und half noch im Brockenhaus im Ort mit. Doch gerade im Brocki gab es manchmal ruhige Phasen. «Wenn keine Kundinnen oder Kunden gekommen sind, bin ich einfach auf dem Stuhl eingeschlafen.» Oft half auch eine Ablenkung nicht gegen die wachsende Müdigkeit und führte zu Situationen, die Isabella Bachofer-Stoll peinlich waren: Als ein Kollege ihres Mannes an einem Sonntag zum Morgenessen kam, schlief sie am Tisch ein. «Und das, während die beiden sich unterhalten haben. Als der Kollege dann ging, legte er einen Zettel mit ‹Tschüss, bis zum nächsten Mal› vor meine Nase.» Das passierte an einem Vormittag direkt nach dem Aufstehen, und nicht abends nach einem anstrengenden Tag.
So war ein Nickerchen mitten am Tag auch der Auslöser zur Diagnose. Im Wartezimmer ihres Arztes, zu dem sie regelmässig wegen ihrer bestehenden Diabetes fährt, schlief sie ein. Erst als er sie aufrief, erwachte sie. Der Arzt fragte verwundert, ob sie geschlafen hätte. Isabella Bachofer- Stoll antwortete keck: «Logisch! Lassen Sie mich halt nicht so lange warten!» Doch er vermutete etwas anderes dahinter und riet ihr, sich im Schlaflabor untersuchen zu lassen. Er meldete sie danach auch gleich an, und dort stellte man fest, dass ihr Atem nachts aussetzte.

«Lassen Sie sich nicht behandeln, steigt Ihr Risiko für Bluthochdruck und Herz- Kreislauf-Erkrankungen», warnte Isabella Bachofer-Stolls Arzt seine Patientin. Das war am 20. Oktober 2008. An diesen Tag kann sie sich noch genau erinnern. Nicht, weil ihr die Diagnose Angst gemacht habe, sondern weil sie gerade auf dem Sprung ins Jugendmusiklager war. «Grundsätzlich nehme ich die Krankheit mit Humor. Eben auch, weil es mir mit der Behandlung wieder sehr gut geht.» Die Behandlung beinhaltet das Tragen einer sogenannten CPAP-Maske in der Nacht, die durch einen dauernden, sanften Luftstrom für eine Überdruckbeatmung sorgt. Für Isabella Bachofer-Stoll eine Kleinigkeit; sie lachte, nachdem sie die Diagnose bekommen hatte: «Schliesslich gibt es viel Schlimmeres, als nachts eine Maske zu tragen. Ich sehe während meiner Arbeit bei der Spitex viel, was besorgniserregender ist. Und auch durch unseren behinderten Sohn Peter bin ich sicher ein Stück weit abgehärtet.»
Trotzdem ist sie dankbar für die Unterstützung der Lungenliga, die sie von Anfang an begleitet hat. Dort konnte sie direkt nach der Diagnose ihr CPAP-Gerät abholen. Gerne erinnert sich Isabella Bachofer- Stoll an den ersten Kontakt: «Als ich anrief, um einen Termin abzumachen, sagte mir eine freundliche Dame der Lungenliga: ‹Kommen Sie nur direkt vorbei›. » Bis zu dem Zeitpunkt kannte sie die Lungenliga nicht, die ihr jetzt das hilfreiche Gerät zur Verfügung stellt. Die erste Nacht mit dem CPAP-Gerät schlief Isabella Bachofer-Stoll so gut wie seit langer Zeit nicht. «Am nächsten Morgen konnte ich zum ersten Mal seit Langem wieder schnell die Treppe raufrennen. Das hatte es ewig nicht mehr gegeben. Es hat sich einfach so gut angefühlt.» Als sie etwas später kleine Probleme mit dem Gerät hatte wegen einer trockenen Nase, bekam sie sofort Hilfe von der Lungenliga. Eine Betreuerin steht ihr auch heute noch bei allen Fragen zur Verfügung.

Heute ist die Maske wie ein Familienmitglied, das sogar einen Namen trägt. Sie nennt es «Viktor». «Mein Mann hat es so getauft. Denn Urs und Viktor sind die Stadtheiligen von Solothurn. Mein Mann heisst Urs», erzählt Isabella Bachofer-Stoll lachend. Sie teilen sich jetzt ihr Schlafzimmer zu dritt – ohne Probleme. Das CPAP-Gerät ist leise. Und ihr Mann einfach nur erleichtert. «Die Nacht, nachdem ich das erste Mal von meinen Atemaussetzern erfuhr, konnte mein Mann nicht schlafen. Er legte mir die Hand auf meinen Bauch und spürte erstmals, wie ich aufhörte zu atmen. Damals ist er wahnsinnig erschrocken », erinnert sie sich. Wohl auch deswegen waren sie so erleichtert, als sie die Diagnose des Arztes hörten. Es hätte viel schlimmer kommen können. Erst später überlegte sie sich, was alles hätte passieren können – schon alleine im Auto. «Doch so darf man nicht denken, sonst macht man sich ja nur verrückt», entschärft sie diese Angst sofort. Negatives passt nicht in die heute wache Welt der Isabella Bachofer-Stoll.
Janine Radlingmayr,
Journalistin, Zürich
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Jeden Dienstag 17-19 Uhr beantworten Ärztinnen und Ärzte Ihre Fragen zu Lunge und Atemwegen. Eine kostenlose Dienstleistung der Lungenliga.