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Der Tag beginnt um 7 Uhr 30. Pia Loosli bereitet das Frühstück zu, weckt die beiden Mädchen und verabschiedet ihren Mann. Ein ganz normales Morgenritual, das für die 43-jährige Frau allerdings nicht selbstverständlich ist. «Heute kann ich schon am Morgen wieder Spässe mit meinen Kindern machen, dafür brachte ich die Energie lange Zeit nicht mehr auf», erzählt sie. Früher hatte sie jeweils schon beim Frühstück und selbst beim Kochen mit dem Schlaf zu kämpfen. Nach dem Mittagessen Auto zu fahren, kam sowieso nicht in Frage, sie wäre am Steuer eingeschlafen. «Ich hatte absolut keine Energie, machte mir aber auch keine Gedanken darüber, woher meine Müdigkeit kommen könnte», erinnert sie sich. Dass auch das starke Schnarchen mit der Müdigkeit zusammenhing, war ihr ebenfalls nicht bewusst. Wahrscheinlich wäre sie noch lange nicht zum Arzt gegangen, hätte sie sich nicht eine schwere Halsentzündung eingefangen. Ihr Hausarzt hatte sofort einen Verdacht und schickte sie zum Lungenspezialisten, der kurz darauf die Diagnose stellte: Schlafapnoe.
Schlafapnoe ist eine Krankheit, bei der die Atmung während des Schlafs mehrmals aussetzt. Sobald die Betroffenen keine Luft mehr bekommen, wachen sie auf. Grund dafür ist meist eine vermehrte Erschlaffung der Hals- und Rachenmuskulatur bei Entspannung im Schlaf. Das kann sich bis zu mehrere hundert Mal pro Nacht wiederholen. Die Folgen sind Tagesmüdigkeit, Konzentrationsstörungen, selten auch starke Kopfschmerzen am Morgen, soziale Probleme oder sogar Depressionen. «Nach der Diagnose war ich zuerst einmal erleichtert», sagt Pia Loosli. «Endlich wusste ich, warum ich immer so müde war.» Einzig die möglichen Folgen von Schlafapnoe schockierten sie: Unbehandelt erhöht die Krankheit das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen.

Pia Loosli arbeitet 20 bis 30 Prozent als Vermittlerin für den Tagesmütterverein. Oft arbeitet sie zu Hause, trifft Abklärungen, führt Gespräche und wählt die Plätze für die Kinder aus. Weil sie die Aussenbezirke betreut, fährt sie viel Auto, was heute wieder problemlos möglich ist. Am Nachmittag bringt sie die beiden Mädchen ins Jazztanzen oder Reiten und wenn ihr Zeit bleibt, steht eine Runde Walking oder Biken auf dem Programm. Ihre Lebensqualität verdankt Pia Loosli einem kleinen Gerät, das bei ihr im Schlafzimmer steht. Zum Schlafen setzt sie eine Maske auf, die über einen Schlauch mit dem Gerät verbunden ist und ihr ständig einen leichten Luftstrom durch die Nase und den Mund zuführt. So bleiben die Atemwege während der ganzen Nacht frei und sie kann in Ruhe schlafen. Die Behandlung heisst CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure, kontinuierliche Überdruckbeatmung) und wird bei Schlafapnoe-Patientinnen und -Patienten häufig angewendet. Dies ist die bis heute am besten wirksame und wissenschaftlich untersuchte Behandlungsmethode. «Ich würde die Maske nicht mehr hergeben», erzählt sie. «Das Gerät kann ich überall hin mitnehmen und die Geräusche sind wirklich minim.» Pia Loosli hat Glück: Sie sprach gut auf die Therapie an und auch ihr Mann hat keine Probleme mit dem Gerät im Schlafzimmer. Dass die Therapie nicht immer so einfach verläuft, weiss Beatrice Züger, Pflegefachfrau bei der kantonalen Lungenliga. «Es gibt Patienten, die mit der Maske nicht schlafen können, weil sie davon Druckstellen im Gesicht bekommen oder weil sie Mühe mit dem Ausatmen haben. Diese Schwierigkeiten treten etwa bei einem Viertel unserer Schlafapnoe-Patienten auf. Einige Probleme lassen sich einfach beheben, manchmal muss jedoch nach einer Alternativmethode gesucht werden. Der Grossteil ist aber unkompliziert», berichtet sie.
«Die Forschung macht immer wieder Fortschritte in der CPAP-Therapie», erklärt Beatrice Züger. Regelmässig kommen neue Masken auf den Markt, die mittlerweile praktisch auf jede Gesichtsform zugeschnitten sind. Die Lungenliga stellt den Patientinnen und Patienten das Gerät zur Verfügung und betreut sie im Umgang damit. Einmal pro Jahr geht Pia Loosli zur Lungenliga und zu einer Fachperson, um das Gerät und die Maske überprüfen und neu einstellen zu lassen. Sie wird das CPAP-Gerät wahrscheinlich jahrelang benutzen müssen. Darüber zerbricht sie sich allerdings nicht den Kopf, die wiedergewonnene Lebensqualität überwiegt. «Besonders ist mir aufgefallen, dass ich nicht mehr den Tiefer und gesunder Schlaf dank CPAP-Therapie. ganzen Tag über schläfrig bin, seit ich das Gerät habe. Früher musste ich mich tagsüber immer wieder zum Schlafen hinlegen, aber seit drei Jahren ist das vorbei», berichtet sie. Ihr Körper kann sich im Schlaf wieder richtig erholen.
Wenn sie Kinder um sich hat, ist Pia Loosli glücklich. «Kinder sind meine Welt», schmunzelt sie. Eine Weiterbildung im sozialen Bereich steht auf ihrer Wunschliste für die Zukunft. Ihre Krankheit wird ihr dabei nicht im Weg stehen. Wohl vor allem deshalb, weil sie sich selbst davon nicht beeinträchtigen lässt und offen damit umgeht. Vor ihren Freunden und Bekannten versteckt sie nichts, im Gegenteil. «Auch wenn andere Kinder bei uns übernachten, bereite ich sie darauf vor und erkläre ihnen, dass ich in der Nacht eine Maske trage. Sie sollen lernen, ganz normal damit umzugehen», erzählt sie. Der natürliche Umgang mit ihrer Krankheit scheint ein Erfolgsrezept zu sein. «Es ist alles Einstellungssache», meint Pia Loosli. «Ich fühle mich nicht krank, sondern weiss, das Gerät hilft mir, dass ich viel mehr Lebensqualität habe.» Pia Loosli nimmt auch ihre Rolle als Aufklärerin wahr und macht Leute aus ihrem Umfeld, die über solche Symptome klagen, auf Schlafapnoe aufmerksam. Und ist sie damit erfolgreich, liefert sie den Optimismus gleich mit: «Ich bin dankbar, dass ich nichts Schlimmeres habe. Ich kann es nicht ändern, also mache ich das Beste daraus.»
Valentina Röschli,
Journalistin, Zürich
* Name von der Redaktion geändert
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Jeden Dienstag 17-19 Uhr beantworten Ärztinnen und Ärzte Ihre Fragen zu Lunge und Atemwegen. Eine kostenlose Dienstleistung der Lungenliga.