Subnavigation
- Asthma
- Chronische Bronchitis
- COPD
- Cystische Fibrose
- Lungenemphysem
- Lungenkrebs
- Schlafapnoe
- Tuberkulose
- Krankheiten bei Kindern
- Seltene Lungenkrankheiten

«Ich habe lange Arbeitstage und komme oft erst spät heim», erzählt Thomas Allemann. «Bei der Arbeit fühlte ich mich müde und auf der Heimfahrt im Zug kam es vor, dass ich eingenickt bin.» Die Tagesmüdigkeit schrieb er dem Job zu, ein gesundheitliches Problem erwog er nicht als Ursache. Dazu meint Brigitt Keller, Betreuerin bei der Lungenliga: «Weil viele unterschiedliche Symptome auf ein Schlafapnoe-Syndrom deuten können, wird es oft erst nach längerer Zeit erkannt.» Zusammen mit zwei Kolleginnen betreut Brigitt Keller rund 350 Betroffene. Zu den typischen Symptomen zählt sie: aus dem Schlaf aufschrecken, sich tagsüber kaum konzentrieren können, Sekundenschlaf beim Autofahren und ein deutlich vernehmbares Symptom – das Schnarchen.
Eliane Allemann* beklagte sich nicht über das nächtliche, laute Schnarchen ihres Mannes. Doch als sie schwanger wurde, brauchte sie erholsame Nächte. Das Paar entschied sich, bis zur Geburt des Kindes getrennt zu schlafen. Für eine Weile waren weder Tagesmüdigkeit noch Schnarchen ein Thema.
Bis Anfang 2005. Die kleine Lea* konnte nun schon gehen und Thomas Allemann musste am Knie operiert werden. Nach der Operation wurde ihm mitgeteilt, dass das Knie zwar wieder in Ordnung sei, mit seiner Atmung aber etwas nicht stimme. Während der Operation sei seine Atmung mehrmals stillgestanden. «Da bin ich erschrocken und bekam Angst.» Aus der Reaktion des Arztes hätte er entnommen, dass es sich um etwas Ernstes handeln müsse. Dass dem so war, zeigte wenig später die Untersuchung im Schlaflabor: Seine Atmung setzte zirka 48-mal pro Stunde aus. Hochgerechnet auf eine Nacht heisst dies 384-mal! «Und ich dachte, das überwachte Schlafen im Labor sei ein Jux, die Ärzte würden bestimmt nichts finden», erinnert sich Allemann. Sich häufig wiederholende Atemstillstände können gefährlich sein, denn ein nicht behandeltes Schlafapnoe-Syndrom kann zu gravierenden Folgen führen. Die Atemstillstände stören sowohl den Tiefschlaf als auch die nächtliche Erholung des vegetativen Nervensystems und belasten das Herz-Kreislauf-System, was einen Herzinfarkt und/oder einen Hirnschlag hervorrufen kann. Der untersuchende Lungenarzt stellte Thomas Allemann die sogenannte CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure) vor. Mit einem Atemgerät wird durch einen steten, sanften Luftstrom ein konstanter Überdruck erzeugt. Dieser hält die oberen Luftwege, Gaumen und Rachen, wie ein Luftkissen offen und verhindert Atemstillstände. «Bis zu diesem Zeitpunkt glaubte ich, dass mit einem Nasenpflaster die Atmung wieder sichergestellt werden könnte! Den Anblick der Maske empfand ich als unheimlich», er habe die Lage unterschätzt, sagt der 35-Jährige.
Seine Frau Eliane hingegen habe erfasst, dass auch von anderer Seite Gefahr drohte, erinnert er sich. Ein unerkanntes, unbehandeltes Schlafapnoe-Syndrom kann zum Beispiel zu einem Sekundenschlaf am Steuer und zu einem verheerenden Unfall führen. Angesichts dieser lebensgefährlichen Folgeerscheinungen erschien die Maske nicht mehr als ein Übel. Die jungen Eltern waren froh, dass der Zufall das Leiden aufgedeckt hatte und bis dahin
kein Unglück passiert war. Das Heimtückische am Schlafapnoe-Syndrom sei, dass kaum jemand selber bemerke, wenn die Atmung in der Nacht aussetze, ereifert sich der Betroffene. Der Spezialist verwies Thomas Allemann an die Lungenliga. Dort habe ihm eine Fachfrau freundlich erklärt, was das Schlafapnoe-Syndrom ist, und ihm eine Nasenmaske angepasst. «Sie teilte mir mit, dass ich die Therapie mein Leben lang ausführen müsse – ich war schockiert!» Er rechnete mit höchstens ein paar Monaten, dann würde mit seiner Atmung alles wieder in Ordnung sein.
«Erholt aufzuwachen war neu für mich. Viele Jahre meinte ich, es sei normal, dass ich mich schlaff fühlte!»
Am ersten Abend standen Eliane und Thomas Allemann bedrückt im Schlafzimmer, die Frau mit Tränen in den Augen. Jede Nacht das leise Summen des Geräts im Zimmer, die Maske, der Schlauch mit im Bett. Ob die Therapie ihrem Mann helfen wird, wieder tief und fest zu schlafen? Ob das laute Schnarchen aufhören wird? Einen Monat lang schlief der Gatte probeweise in einem separaten Zimmer. Und wahrhaftig, kein Laut drang mehr durch die Wand. Bereits nach der ersten Nacht habe er sich besser gefühlt, erzählt
Thomas Allemann. Allerdings: «Ich musste akzeptieren, dass das CPAP-Gerät von nun an zu meinem Leben gehört.» Dies war der erste Schritt zu einer erfolgreichen Therapie. Danach ging es nur noch aufwärts. Er schläft bedeutend schneller ein und fühlt sich am Morgen erholt. Innert wenigen Wochen habe er sich an das neue Schlafen gewöhnt und seither geniesse er seine wiedergewonnene Lebensqualität.
Ferien bedeuteten vor der CPAP-Therapie vor allem eines: Schlafen und Erholen. Wie anders verlaufen jetzt die Ferien. Selbst nach einem ausgiebigen, leckeren Mittagessen fühlt sich der junge Vater fit und spielt mit seiner Lea. Und auch seine Frau Eliane sagt, dass er viel präsenter und wacher sei als früher.
Der Paar-Intimität schade das Atmungsgerät auch nicht: «Wir pflegen ein Liebesleben wie vorher. Die Maske setze ich ja erst vor dem Einschlafen auf. Und ich bin meiner Partnerin gegenüber rücksichtsvoll. Ich drehe mich auf meine Seite und wenn wir kuscheln, achte ich darauf, dass der Luft-Rückfluss aus dem Gerät nicht ihr Gesicht streift.» Und wenn der Papa am frühen Morgen seine Maske auszieht, um noch ein wenig mit seiner Tochter zu schmusen, mahnt diese vorwurfsvoll: «Papa, deine Maske!»
«Ich fühlte mich nie alleingelassen,die Lungenliga war immer für mich da.»
Thomas Allemann machte sich Sorgen, dass Lea vor der Maske Angst habe: «Eine Betreuerin der Lungenliga erkundigte sich regelmässig, wie es mir gehe mit der Therapie. Einmal fragte ich sie, wie ich meiner Tochter die Sache mit der Maske erklären soll.» Es ist für ihn sehr wichtig gewesen, in der Anfangszeit betreut und begleitet zu werden. Heutzutage beansprucht er weniger Beratung. Er schwärmt aber vom Service der Lungenliga: «Zweimal jährlich besuche ich die Liga, wo die im Gerät gesammelten Daten zu meinem Schlafverhalten heruntergeladen werden. Diese Daten werden meinem Pneumologen übermittelt, so kann ich sicher sein, dass meine Therapie überwacht wird. Falls nötig, wird das Gerät neu eingestellt, ich bekomme neues Zubehörmaterial und/oder werde zu einer Kontrolluntersuchung eingeladen.» Das ist mit ein Grund, warum er die CPAP- Therapie jeder anderen vorzieht: «Bei dieser Lösung bin ich nicht auf mich allein gestellt. Die Mitarbeiter der Lungenliga erkundigen sich, wie es läuft. Ich schätze diese Dienstleistung sehr!» Einen Wunsch hat Thomas Allemann. Zu vielen Menschen ergehe es wie ihm damals. Sie wissen nicht, dass starkes Schnarchen, verbunden mit Tagesmüdigkeit und Erschöpfung, ein Warnzeichen für ein Schlafapnoe-Syndrom sein kann. «Es gehört nicht einfach zum heutigen Leben, sich ständig müde zu fühlen, die wenigsten vermuten eine ernsthafte Krankheit dahinter», sagt Allemann und fordert: «Dagegen muss etwas getan werden!»
Barbara Richiger,
Journalistin, Kaufdorf
* Name von der Redaktion geändert
Möchten Sie über Ihre Erfahrungen sprechen oder Tipps austauschen?

Jeden Dienstag 17-19 Uhr beantworten Ärztinnen und Ärzte Ihre Fragen zu Lunge und Atemwegen. Eine kostenlose Dienstleistung der Lungenliga.