Als Pater Basil Fetz Ende Juni 2008 zum Heimaturlaub aus Tansania in die Schweiz zurückkehrte, wusste er noch nicht, dass er vorerst bleiben würde. Eine gründliche ärztliche Untersuchung brachte die Diagnose: Knochentuberkulose. Eine heikle Operation war nötig.

Pater Basil beobachtet das Spiel der Sonnenstrahlen, die durch das teils gläserne Dach in die Kirche fallen. «Sie machen den Raum lebendig», sagt er und seine Augen leuchten. Dann tritt er hinaus in den Empfangsraum des Klosters St. Otmarsberg in Uznach.
Dieser Klostergemeinschaft gehört er seit 48 Jahren an, seit er 21 ist. 1973 wurde er nach Tansania gesandt, und nach einem Sprachkurs für Swahili begann er mit der Missionsarbeit in Peramiho.
Er war in der Ausbildung der Priesteramtskandidaten tätig, erteilte aber auch Religionsunterricht an der Krankenpflegeschule und feierte mit den Christen in Peramiho die Sonntagsgottesdienste. Seit zehn Jahren ist er vollamtlicher Spitalseelsorger in Peramiho. Freie Tage sind für ihn eher selten.
Richtig erholen kann er sich jeweils im Heimaturlaub in der Schweiz. Beim letzten Urlaub aber war alles anders – statt wie geplant nach drei Monaten konnte Pater Basil erst nach einem Jahr und fünf Monaten nach Tansania zurückkehren.
An Tuberkulose dachte Pater Basil zuletzt. «Obwohl ich bei meiner Krankenhausseelsorge mit den verschiedensten Leuten in Kontakt bin, auch mit den Tuberkulose- Kranken, hatte ich nie Angst vor einer Ansteckung », erklärt er.
2006 entpuppten sich Schmerzen im rechten Oberschenkel als bösartiger Tumor, der entfernt werden musste. Geschwächt durch die Operation, gab der Körper in den folgenden Monaten keine Ruhe.
Als er im Sommer 2008 wieder in die Schweiz reiste, fühlte er sich müde, litt unter Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit. Im September entdeckte der Hausarzt bei einer Ultraschalluntersuchung einen vergrösserten Lymphknoten in der Bauchgegend. Zur Abklärung wurde er ins Spital eingewiesen. Aufgrund seiner Krankheitsgeschichte bestand der Verdacht auf Metastasen im Bauchraum.
Infolge seines langjährigen Aufenthalts in den Tropen konnte aber auch eine Infektion nicht ausgeschlossen werden.Nach einer detaillierten Untersuchung wurde zwischen dem Magen und der Leber sowie am rechten Knie Gewebe entnommen. Das Resultat: Nachweis von Tuberkulosebakterien.

Pater Basil hat beim Gespräch eine gesunde Gesichtsfarbe. Als Liane Horn, Betreuerin der Lungenliga St. Gallen, ihn im Kantonsspital kennenlernte, sah er ganz anders aus – müde, blass und kraftlos. Pater Basil litt an Knochentuberkulose, einer seltenen Form der Krankheit. Er hatte sich irgendwann bei seiner Missionstätigkeit angesteckt, wahrscheinlich bei der Arbeit als Seelsorger im Krankenhaus.
«Die Tuberkulosebakterien können jahrelang unbemerkt im Körper bleiben. Aber sobald das Immunsystem geschwächt ist, kann die Krankheit ausbrechen», erklärt Liane Horn. In den meisten Fällen handelt es sich um Lungentuberkulose. Die Bakterien können aber über die Blutbahnen auch andere Organe befallen.
Bald nach der Diagnose Ende November 2008 begann die Therapie mit Antibiotika. Nachdem diese eingependelt war, widmeten sich die Ärzte dem Problem mit dem sechsten Halswirbel. Dieser war durch die Tuberkulosebakterien bereits stark zerstört. Bis zu einer Lähmung fehlte nicht mehr viel – die Halswirbelsäule drohte infolge des beschädigten Wirbels einzuknicken.
Mitte Dezember wurde Pater Basil in einem komplizierten und riskanten Verfahren der gesamte sechste Halswirbelkörper ersetzt. Nach einer Woche war er so weit wiederhergestellt, dass er zu Weihnachten nach Hause durfte. «Wenn man Zeit hat, ist man ein anderer Mensch», meint der Pater.
Pater Basil ist auf dem Weg zur Besserung. Ausser der Müdigkeit hat er keine Beschwerden mehr. Nach abgeschlossener Therapie gilt er als geheilt und kann nach Tansania zurückkehren. Er fühlt sich Gott und all den Menschen, die ihm während seiner Krankheit und Genesung zur Seite standen, zu grosser Dankbarkeit verpflichtet. «Ich kam glimpflich davon», sagt der Pater. Dann macht er sich auf den Weg zum Mittagsgebet. Während des Gebets wird er das Spiel der Sonnenstrahlen in der Kirche beobachten.
Valentina Röschli,
Journalistin, Zürich
Das Gespräch mit Pater Basil fand im Sommer 2009 statt.
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