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Niemand ist vor Tuberkulose gefeit

Die Diagnose Tuberkulose ist für Betroffene ein harter Schlag. Diese Krankheit ist gefährlich und übertragbar, aber heute normalerweise gut heilbar. Trotzdem erfordern Isolation und Behandlung von den Betroffenen Ausdauer, Vertrauen und die Überwindung von Vorurteilen.

Alles fing im letzten April mit einem unangenehmen Husten, ein bisschen Müdigkeit und einer sich anbahnenden Erkältung an. Elisabeth Bernoulli dachte dabei an eine Allergie und nahm Kontakt mit ihrem Hausarzt auf, der ihr nach einigen Untersuchungen und Gesprächen Medikamente verschrieb.Doch nichts passierte. Schnupfen und Husten dauerten an.

 

Die Patientin entschloss sich, einen Pneumologen aufzusuchen, der nach einem negativen Allergietest anhand eines Röntgenbildes einen Infektionsherd feststellte, dessen Art er allerdings nicht bestimmen konnte. Aus einer Vorahnung und aufgrund ihrer Erfahrung stellte die ausgebildete Krankenschwester sogleich die Frage: «Denken Sie, es könnte Tuberkulose sein?» Eine nicht unbegründete Frage, denn die Patientin wurde in ihrer Kindheit infiziert und hatte danach eine Reihe von Mantoux-Tests mit positivem Ergebnis.

 

Der Arzt bestätigte ihre Vermutung. Er veranlasste sofort eine Computer- Tomographie (spezielles Röntgenverfahren), gefolgt von einer Bronchoskopie (Spiegelung der Bronchien), die die Vermutung bestätigten und eine ansteckende Lungentuberkulose nachwiesen. Die Patientin wurde deshalb unter Quarantäne im Spital isoliert, um das Pflegepersonal und die anderen Patienten vor einer Ansteckung zu schützen.

Vorurteile und alte Dämonen

Elisabeth Bernoulli war tief getroffen und versuchte, der bitteren Wahrheit und der strengen Isolation im Spital zu entfliehen. Sie wusste, dass man früher die Tuberkulose durch Höhenkuren zu behandeln versuchte. Ein offenes Gespräch machte ihr jedoch schnell klar, dass dies keine Option war, da sie in dieser akuten Phase, die äusserst ansteckend ist, keinerlei Risiko eingehen konnte, ihr Umfeld zu gefährden.

 

Ihr wurde zudem bewusst, dass eine angemessene Behandlung das beste Mittel ist, um den Infektionskreis zu durchbrechen. Im Fall von Elisabeth Bernoulli hatte die ansteckende Lungentuberkulose noch eine ganz besondere Brisanz. Elisabeth Bernoulli ist Abgeordnete im Grossen Rat und kommt bei der Ausübung ihrer Tätigkeit mit einer grossen Zahl von Menschen in Kontakt, ganz zu schweigen von ihrer Familie. Damit war die Anzahl potenziell gefährdeter Personen besonders hoch.

Hilfe durch die Lungenliga

Von diesem Moment an ging alles sehr schnell. Der Fall wurde dem Kantonsarzt vorschriftsgemäss gemeldet, und dieser rief sogleich die Lungenliga auf den Plan. Der Arzt und die Lungenliga arbeiteten eng zusammen. Das Lungenliga-Team kontaktierte sofort Elisabeth Bernoulli und bat sie, alle Personen aufzulisten, mit denen sie – auch im Rahmen der Arbeit – engen Kontakt hatte.

 

Ausgehend von dieser Liste wurden in ihrem Umfeld etwa 300 Personen getestet, um infizierte und erkrankte Personen zu entdecken und so eine weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern. Alle positiv getesteten Personen wurden anschliessend ausführlich informiert. Mit dieser effektiven Vorgehensweise gelang es, einige der Angehörigen und Arbeitskolleginen oder Arbeitskollegen von Elisabeth Bernoulli, die zunächst Vorbehalte hatten, vom Nutzen einer Präventivbehandlung zu überzeugen.

 

«Trotz all der Unterstützung, die ich bekam », so die Patientin, «blieb meine grösste Sorge doch der Verdacht, dass ich mir nahestehende Personen ‹angesteckt› haben könnte, insbesondere meine Familie.»

 

Das Ende der Behandlung kommt näher. Elisabeth Bernoulli sieht nach diesem dunklen Abschnitt in ihrem Leben – nicht zuletzt dank der Unterstützung durch die Lungenliga – wieder Licht am Horizont. Dies spornt sie an, ihre Medikamente weiterhin zu nehmen, um einen Rückfall oder eine allfällige Resistenz zu vermeiden.

 

«Was mich bei dieser ‹verflixten› Krankheit vor allem gestört hat, ist, dass mir als ‹Person des öffentlichen Lebens› so viel Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Dabei gibt es noch ganz andere, viel schwerwiegendere Fälle, über die nicht gesprochen wird, obwohl die Betroffenen genauso tapfer kämpfen und oft sogar noch schwächer sind als ich.»

 

Marc-Henri Charoton, St-Prex

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