Accesskeys und Sprunglinks

Sie sind hier: Lungenliga » Luzern-Zug » Angebote » Heimtherapie » Patientenporträt

Wie Monika Kobel ihre Behinderung meistert

«Eifach ned ufgäh, dänn gohts»

 

Früher war Monika Kobel Leichtathletin und Langläuferin.

Seit einer schweren Lungenentzündung vor sieben Jahren hängt sie an der Sauerstoff-Flasche. Sportlich ist die 30-jährige behinderte Frau dennoch geblieben: Mit Kopf und Händen.

 

«Das war nur wegen dem Ogi!» Monika Kobel lacht verschmitzt. Nein, ernst meint sie das nicht. Aber es fuchst sie heute noch, dass der damalige Bundesrat und Sportminister Adolf Ogi an jenem Februarsonntag vor sieben Jahren nicht den «National Winter Games» der Behinderten die Aufwartung machte und ihr die Bronzemedaille umhängte, die sie im Langlauf geholt hatte. Dabei hatte es Ogi doch versprochen. Doch das Weltwirtschaftsforum Davos und Bill Clinton waren ihm am Ende wichtiger. «Dafür kam Michela Figini», sagt Monika Kobel. «Gäu Möni», flicht ihre Mutter Vreni, 51, immer wieder ein.

 

«Gäu Möni!»

 

Die zwei sitzen am Küchentisch des alten Bauernhauses an der Luzernstrasse in Wikon und erzählen. Monika Kobel kehrte damals von dem Wettkampf mit einer schweren Lungenentzündung nach Hause und konnte lange nicht richtig behandelt werden, weil sie auf Antibiotika allergisch reagierte. Ihre Lungen versagten; wochenlang lag Monika Kobel auf der Intensivstation – und bis heute ist sie auf dauernde Sauerstoffzufuhr angewiesen. «Dabei war sie vorher nie krank und sportlich sehr aktiv», sagt Vreni Kobel. Ihre Tochter turnte und betrieb Leichtathletik in der Behindertensportgruppe Zofingen. Sie nahm auch mal am Einsiedler Volkskilauf teil und besuchte Reitkurse. Doch nach der Lungenentzündung musste Monika Kobel erst wieder lernen zu laufen, zu reden und zu essen.

Ganz erholt hat sie sich davon bis heute nicht. Den Sport musste Monika Kobel aufgeben; Reisen auf über 1000 Meter Höhe machen ihre geschwächten Lungen nicht mit. Doch die junge Frau nimmt ihre zusätzliche Behinderung gelassen: «Ich nemes, wies chonnt. Eifach ned ufgäh, eifach stopfe, dänn gohts», sagt sie. Und lacht wieder. «Das ist ihre Devise», erklärt ihre Mutter. «Gäu Möni!»

 

 Puzzles mit 1000 Teilen

 

«Es ging» schon oft in Monika Kobels Leben, also geht es heute auch mit Sauerstoffschlauch und Nasenbrille. Die 30-Jährige, mit zwei jüngeren Geschwistern aufgewachsen, hat trotz ihres Down-Syndroms schon viel erreicht. Sie konnte im Theresienhaus in Solothurn eine Haushalt-Anlehre absolvieren und fand nachher eine Stelle in der Wäscherei des Alters- und Pflegeheims Reiden. Auf Möni ist dort Verlass – jeden Tag von eins bis fünf. «Sie gehört mittlerweile zum Inventar», sagt Vreni Kobel. Früher fuhr ihre Tochter mit dem Bus selbst zur Arbeit; seit sie die Sauerstoff-Flasche im Rucksack mittragen muss, bringt sie die Mutter am Mittag hin.

Pflegte Monika Kobel neben dem Sport schon immer noch viele andere Interessen, hat sie sich seit ihrer Lungenentzündung ganz auf diese verlegt – und ist dabei zufrieden. Zwar ists mit dem Musizieren (Keyboard und Flöte) zurzeit auch nicht weit her. Dafür lernt sie nach Englisch neuerdings Italienisch («si si!»), legt Zämesetzi mit 1000 Teilen, am liebsten von Schweizer Städten, und löst Kreuzworträtsel. «Die hat ein Computerhirni. Sie schaut nur nach, wenn sie etwas nicht weiss», sagt Vreni Kobel und blickt zu ihrer Tochter: «Gäu Möni!»

 

 Spitex für die Grossmutter

 

Grossmutter Marie Nacht, 83, wiederum, die im selben Haus lebt, hat in ihrer Enkelin eine Spitex-Fachfrau, die immer Zeit hat für sie. Möni wäscht ihr den Rücken in der Badewanne, sie wendet an Grosi an, was sie in einem Massagekurs gelernt hat - «und wir schauen abends zusammen fern», sagt Marie Nacht. «Ich bin nie allein.» Sehr interessiert ist Monika Kobel – wen wunderts – an medizinischen Sendungen. «Da schaut sie alles», sagt die Mutter.

Mit dem dünnen Sauerstoffschlauch, der zur Nasenbrille führt, hat sich Möni längst abgefunden. Im Haus ist der Schlauch, ganz praktisch, auf eine Kabelrolle aufgewickelt, Möni wickelt auf oder spult ab, je nachdem, wohin sie grad muss oder sitzt. Das geht selbst durch geschlossene Türen – weil bei fast allen Mäuse die Ecken abgenagt haben. «Jetzt ist das auch für etwas gut», meint Vreni Kobel. Und lacht mit ihrer Tochter.

In den Ferien sind die zwei häufig mit Zug («si si, il treno») und Schiff unterwegs. Die Behälter für den flüssigen Sauerstoff, von denen Monika Kobel zwei hat, reichen für jeweils sechs bis acht Stunden. Vreni Kobel füllt sie an den beiden grossen nach, die der Lieferant alle zwei Wochen auswechselt. Eine Fachfrau der Lungenliga Luzern, an welche die Familie vor sieben Jahren vom behandelnden Arzt verwiesen wurde, besucht Möni jedes Jahr zwei Mal. Die Lungenliga stellt auch das Sauerstoffabgabegerät zur Verfügung, sorgt für die Wartung und rechnet den Sauerstoff mit der Krankenkasse ab. Die regelmässigen Treffen der Sauerstoffpatienten besuchen Mutter und Tochter gemeinsam.

 

Fan von Moritz Leuenberger

 

«Gäu Möni!» Diese klaubt, als die Rede noch aufs Briefe schreiben kommt, den Brief hervor, der neben ihr auf der Küchenbank im Allerlei steckt. Absender: Moritz Leuenberger, Bern, 2. Mai 2007. Der Bundesrat bedankt sich; sehr geehrte Frau Kobel, die lieben Worte haben gut getan, mit freundlichen Grüssen. Möni hatte dem Bundesrat geschrieben, als dieser wieder einmal der Wind entgegenblies.

«Sie ist ein Fan von Leuenberger», sagt Vreni Kobel. Möni nickt und setzt sich zum Fototermin im Schneidersitz auf den Polstersessel. Moritz darf mit drauf. Er lächelt. Sie strahlt.

 

Dominik Thali 

 

 

 

 

Die Lungenliga hilft

 

Erkrankte, geschädigte Lungen und Atemwege führen zu Atemnot und oft auch Sauerstoffmangel im Blut, machen müde und leistungsschwach und erhöhen das Herzkrankheits-Risiko. Davon betroffene Menschen sind häufig auf dauernde Sauerstoff-Zufuhr angewiesen, um die Beschwerden zu lindern und Herz- und Kreislauforgane zu entlasten. Sie erhalten zusätzlichen Sauerstoff beim Atmen über eine Nasenbrille, die mit einer Sauerstoff-Flasche verbunden ist oder einem Gerät, das den Sauerstoff aus der Luft konzentriert.

Ursache für eine solche Erkrankung ist häufig jahrzehntelanges Rauchen. Männer und Frauen können aber auch als Folge von Asthma oder – wie im Fall von Monika Kobel (siehe Haupttext) – einer schweren Lungenentzündung auf eine Sauerstofftherapie angewiesen sein. Unterstützung erhalten sie in allen Kantonen von der jeweiligen Lungenliga. In Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten berät und begleitet diese Frauen und Männer mit Atemwegserkrankungen. Sie passt ihnen beispielsweise Sauerstoffabgabegeräte, Beatmungsgeräte, Inhalationsapparate und andere technische Hilfsmittel an, übernimmt deren Miete und Wartung, liefert Sauerstoff oder informiert regelmässig Betroffene und deren Angehörige an Weiterbildungen und Austauschrunden. Die Lungenliga ist bei Problemen jederzeit erreichbar. Ihre Dienste werden über die Krankenkasse abgerechnet.

 

Auskunft (auch zum Thema Schlafapnoe): Lungenliga Luzern-Zug, Schachenstr. 9, 6030 Ebikon, Telefon 041 429 31 10, info@STOP-SPAM.lungenliga-lu.ch

Klicken Sie in unser Jubiläumsjahr

Lungenliga Luzern-Zug

Schachenstr. 9

6030 Ebikon

Tel.: 041 429 31 10

Fax: 041 429 31 11

info@STOP-SPAM.lungenliga-lu-zg.ch

Öffnungszeiten:

Mo - Fr

8.00-12.00, 13.30-17.00 Uhr

Anmeldung erforderlich