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Geschichte

Im Jahre 2001 feierte die Lungenliga Schwyz ihr 75 jähriges Bestehen. Sie wandelte sich von der „Schwyzerischen Liga zur Bekämpfung der Tuberkulose“ zur modernen Fachstelle für Atemwegserkrankungen der “Lungenliga Schwyz“.

Am 21. März 1926 rief die Ärztegesellschaft des Kanton Schwyz zur Gründung einer schwyzerischen Liga zur Bekämpfung der Tuberkulose auf. Zu dieser Zeit starben in der Schweiz jährlich mehrere tausend Personen an der Schwindsucht, wie die Tuberkulose auch benannt wurde.

Bei den ersten Statuten 1926 wurden als Zweck folgende Hauptaufgaben genannt:

  • Aufklärung und Belehrung über das Wesen der Tuberkulose
  • Stellungnahme zu hygienischen Fragen
  • Bedürftigen Kranken den Eintritt in ein Sanatoruim zu erleichtern
  • Fürsorge für die Sanatourim-Entlassenen
  • Bau und Betrieb einer kantonalen Tuberkulose Heilstätte

 

Bei der Statutenrevision 1965 wurde das ursprüngliche Ziel der Errichtung einer eigenen Tuberkuloseheilstätte fallen gelassen. Bei der erneuten Revision 1986 wurde die Tuberkulosekommission nicht mehr aufgeführt. Sie hatte seit Jahren nicht mehr getagt. Neu wurden aber die Aufgaben bei nicht tuberkulös Erkrankten in den Ligazweck integriert. Die letzte Statutenrevision erfolgte 1999 zur Namensänderung und zur Regelung der neuen Beziehung zum eidgenössichen Dachverband, welcher sich ebenfalls neu strukturiert hatte.

1931 kam das eidgenössische Tuberkulosegesetz zum Tragen. Die Wissenschaft erkannte, dass die Tuberkulose eine reine Infektionskrankeit mit bekannem Übertragungsweg war. Für Tuberkulosekranke die sich nicht einer Behandlung unterziehen wollten und für die Umgebung als Ansteckungsrisiko galten, wurde die Meldepflicht eingeführt. Die Ausführung wurde den Kantonen übertragen und so bekam die, von der Ärztegesellschaft ins Leben gerufene „Schwyzerische Liga zur Bekämpfung der Tuberkulose“ ihren offiziellen Auftrag.

Ab 1954 wurden regelmässig BCG-Impfaktionen durchgeführt, bis 1968 praktisch alle Schulkinder geimpft waren. Neugeborene wurden automatisch in den Spitälern geimpft.  Heuzutage wird, wegen geringem Ansteckungsrisiko für in der Schweiz lebenden Personen, nicht mehr routinemässig geimpft. Die ebenfalls durchgeführten Schirmbildaktionen wurden 1988 wieder eingestellt.
  

Fürsorgestellen

1928 wurde eine Fürsorgestelle in Schwyz und Lachen und eine weitere 1930 in Einsiedeln eröffnet. In den Spitälern Schwyz und Lachen entstand eine Tuberkulose Abteilung. Mit dem Kloster Ingenbohl wurde 1934 ein Vertrag abgeschlossen, der die Anstellung von 3 Fürsorgeschwestern regelte. 1977 wurde das Fürsorgebüro von Schwyz nach Einsiedeln verlegt, 1982 nach Siebnen und 1988 nach Pfäffikon wo die Lungenliga heute noch ist. Zugungsten einer zweiten Beratungsstelle in Goldau wurde das 1983 eröffnete Apparate-Depot im inneren Kantonsteil im Jahre 2000 geschlossen.  
 

Beratungen

Die Fürsorgerinnen organisierten Sanatoriumsaufenthalte und führten viele Hausbesuche durch in denen sie Ratschläge zur Wohnhygiene, korrekter Beseitigung des Auswurfes, Wäschereinigung und Raumdesinfektion erteilten. Aber auch in Schulen wurde Prophylaxearbeit durchgeführt. Tuberkulöse Lehrerinnen und Lehrer durften nicht mehr unterrichten, angesteckte Patientinnen und Patienten wurden separiert und durften vor allem nicht mit Kindern zusammen leben. 1949 beispielsweise sind 2’188 Hausbesuche und 1’898 Konsultationen durchgeführt worden.

Mit dem Rückgang der Tuberkulose und den neuen Behandlungsmöglichkeiten Lungenkranker, wandelte sich auch das Bild der Beratungen. Die Fürsorgerinnen oder heute Fachpersonen für Atemwegserkrankungen, vertieften ihr Wissen im Bereich der nicht tuberkulösen Atemwegserkrankungen. So erweiterte sich das Angebot der Liga Richtung Beratung bei obstruktiven, restriktiven und vaskulären Lungenkrankheiten und Abgabe sowie Instruktion von Atemhilfsgeräten.  Gesundheitsförderung und Öffentlichkeitsarbeit sind nach wie vor bedeutende Aufgaben der Liga, auch wenn sich die Thematik im Wandel der Zeit verändert hat. Die Tuberkulose ist in der Schweiz zwar seltener geworden, ausgerottet ist sie jedoch in keiner Weise. Weltweit bleibt die Tuberkulose eine der häufigsten und schlimmsten Infektionskrankheiten. Jährlich treten acht Millionen neue Fälle auf, ungefähr zwei Millionen Menschen sterben daran.
 

Soziale Lage der Tuberkulosekranken

Wenige der Patientinnen und Patienten waren krankenversichert. 1960 waren noch 20% der Tuberkulosekranken armengenössig. Die Behandlung der Tuberkulose erfolgte praktisch nur in Sanatorien. Die Liga unterstützte jeden Sanatoriumstag mit einem bestimmten Betrag, das Geld stammte aus Schenkungen oder Sammlungen. Nach Abrechnung der Sanatoriumaufenthalte konnte ein Beitrag von Bund, Kanton, Gemeinden und allfälligen Krankenkassen eingeholt werden. Ein Kurtag kostete 1935 im Sanatorium Albula Davos 5 bis 6 Franken. Die Kur dauerte anno 1945 bei Kindern 145 und bei Erwachsenen 165 Tage. Die Spitze der Tuberkuloserkrankten im Kanton Schwyz wurde 1949 mit 255 Patientinnen und Patienten erreicht. Es entstanden Kosten von 230'500 Franken bei 38'234 Krankheitstagen. Als Folge der Prophylaxe, verbesserter Diagnostik und neuer Heilmethoden begann die Häufigkeit der Tuberkulosefälle danach stetig zu sinken.

Heute werden schweizweit jährlich ca. 550 Tuberkulosefälle registriert, wovon ca. 7 Neuerkrankungen auf den Kanton Schwyz fallen. Die Lungenliga Schwyz hat mit dem Kanton seit 2006 eine Leistungsvereinbarung betreff Tuberkulosearbeit. Die soziale Lage von Tuberkuloseerkrankten und deren Kontaktpersonen stellt heute in der Schweiz kein Problem mehr dar.