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Politikerinnen und Politiker melden sich zu Wort

Ursula Schneider Schüttel, Nationalrätin SP
Ursula Schneider Schüttel, Nationalrätin SP
Hans Stöckli,
Ständerat SP
Hans Stöckli,
Ständerat SP
Ursula Zybach,
Kand. Nationalrat SP
Ursula Zybach,
Kand. Nationalrat SP

Interview mit Ursula Schneider Schüttel


Sie sind seit Jahren Präsidentin der Lungenliga Freiburg. Weshalb engagieren Sie sich in diesem Bereich?

Ich habe bereits seit einigen Jahren (politische) Erfahrung im Gesundheitsbereich und in der Suchtprävention gesammelt, bevor ich zur Lungenliga gekommen bin. Aus meinem näheren Umfeld weiss ich, wie wichtig eine gute Betreuung und Beratung der Menschen mit Atemweg- und Lungenerkrankungen ist. Damit dies für alle Betroffenen möglich ist, unterstütze ich die Lungenliga gerne mit meinen Kompetenzen.


Mit der Einführung der Strategie zu den nichtübertragbaren Krankheiten wurde der Rahmen für Prävention in der Gesamtbevölkerung wie auch in der Gesundheitsversorgung geschaffen. Sind wir auf Kurs?

Auf Kurs, ja, aber ein paar zusätzliche Knoten für schnellere Fahrt wären nicht schlecht.
Die Strategie des Bundes ist sicher eine gute Grundlage für eine umfassende Prävention und ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Allerdings darf die Bestimmung von messbaren Zielen und Umsetzung mit konkreten, wirkungsvollen Massnahmen nicht auf sich warten lassen, auch wenn dies noch viel Arbeit und das Zurverfügungstellen der entsprechenden personellen und finanziellen Ressourcen bedeutet.


Der Trend geht in Richtung ambulante Versorgung. Fluch oder Segen?

Beides, je nach Krankheit und Schweregrad der Beeinträchtigung. Für einige ist es wohl ein Segen, in der gewohnten Umgebung bleiben zu können. Allerdings ist, gerade bei allein lebenden Personen, eine gute Betreuung durch die Lungenligen und eine rasche, niederschwellige Beratung (z.B. durch einen Notfall-Telefondienst) wichtig, nicht zuletzt um die nötige Sicherheit zu geben. In schwereren Krankheitsfällen oder zur Rehabilitation muss eine stationäre Versorgung, wenn nötig auch über eine längere Dauer, immer möglich sein. Diese darf nicht allein aus Kostengründen reduziert werden.

 

Welchen Beitrag leistet die Lungenliga zur Prävention nicht übertragbarer Krankheiten?

Grundsätzlich ist die Sensibilisierung für eine gesunde Lebensweise durch die Lungenliga hervorzuheben. Der wichtigste Beitrag ist meiner Meinung nach die Tabakprävention, namentlich bei Jugendlichen (hier ist auch ein griffiges Tabakproduktegesetz das die Werbung einschränkt, wichtig). Auch Rauchstopp-Programme wie Stopgether gehören dazu.
 

Wie nehmen Sie die Lungenliga als Gesundheitsorganisation wahr?

Sie ist eine kompetente Institution mit engagierten Fachpersonen, welche die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten in den Vordergrund stellt, sich aber immer auch für Verbesserungen auf gesundheitspolitischer Ebene einsetzt.

Interview mit Hans Stöckli


Sie haben sich dafür ausgesprochen, dass E-Zigaretten gleich reguliert werden, wie herkömmliche Tabakprodukte. Warum?

Es trifft zwar zu, dass E-Zigaretten für starke Raucher eine gewisse gesundheitliche Entlastung bieten können, aber wir kennen die Langzeitschäden noch nicht. Weil E-Zigaretten auch Nikotin enthalten und für Kinder und Jugendliche attraktiv gemacht worden sind, stellen sie für den Einstieg ins Rauchen ein grosses Risiko dar. Deshalb bin ich zufrieden, dass meine Kommissionsmotion zur Wiedereinführung der Besteuerung von E-Zigaretten vom Ständerat – mit Unterstützung des Bundesrates, angenommen wurde.


Die Raucherquote in der Schweiz liegt mit 27% immer noch auf einem hohen Niveau. Weshalb?

Wir haben in der Schweiz bis heute keine wirksamen Präventionsbestimmungen. Deshalb konnte die von der Schweiz im Jahre 2004 unterzeichnete WHO-Tabakkonvention bisher nicht ratifiziert werden. Die Tabaklobby in der Schweiz ist sehr stark. Sie profitiert davon, dass es keine genügenden Bestimmungen gegen den Zigarettenschmuggel und für die Regelung der Qualität der für den Export bestimmten Tabakprodukten gibt. Aber dort, wo kantonale Werbeverbote gelten, zum Beispiel Solothurn oder Wallis, ist die Raucherquote signifikant kleiner.


Wie nehmen Sie die Lungenliga als Gesundheitsorganisation wahr?

Die Lungenliga ist ein starkes, innovatives wichtiges Mitglied der Gesundheitsligenkonferenz und ich schätze auch die Aktivitäten der kantonalen Lungenligen.

 

Wie steht es um Ihre Lungengesundheit und was tun Sie dafür?

Ich hatte das Glück, in einer Familie aufzuwachsen, in der nicht geraucht wurde und auch heute niemand raucht. Seit drei Jahren rauche ich auch keine Genuss-Zigarren mehr – und bei der letzten Kontrolle war mein Hausarzt überrascht, dass sich heute alle meine Werte im grünen Bereich befinden. Regelmässige sportliche Betätigung – meine Frau und ich haben im Juni den 100km Lauf von Biel zum neunten Mal erfolgreich gemeistert – hilft mir, mich fit zu fühlen. Und dazu gehören auch meine gut funktionierenden Lungen.

Interview mit Ursula Zybach


Welches sind die zentralen Herausforderung der öffentlichen Gesundheit in den kommenden Jahren?

Die zentralste Herausforderung ist das Rauchen: es verursacht eine grosse Krankheitslast, viel Leid und hohe Kosten. Dazu kommen alle anderen nicht übertragbaren Krankheiten wie Krebs, Diabetes und Herzkreislauferkrankungen. Mit zielgerichteter Prävention könnte viel verhindert werden!


Das Schweizer Gesundheitssystem steht unter Druck. Die Krankenkassenprämien steigen kontinuierlich. Wo muss der Hebel angesetzt werden, um diesen Trend zu stoppen?

Die Prämien dürfen nicht mehr als 10% des Haushalteinkommens ausmachen. Zudem braucht es eine bessere Systematik, welche Kosten von den Versichererern und welche von den Kantonen übernommen werden und mehr Kostentransparenz.

 

Sie engagieren sich sowohl in der Kuration als auch in der Prävention. Ein Spagat?

Mein Wissen, die Erfahrung und das Netzwerk aus der Prävention helfen mir auch für meine Tätigkeit als Präsidentin beim Spitex Verband Kanton Bern. Und die praktischen Fragestellungen aus dem kurativen Bereich inspirieren für neue Überlegungen; in der Prävention bei Public Health Schweiz oder der Allianz Gesunde Schweiz.

 

Wie würden Sie die Lungenliga beschreiben?

Eine initiative und äusserst engagierte Organisation, die sich für die Prävention von Lungenerkrankungen einsetzt und die an Lungenkrankheit leidenden Menschen tatkräftig unterstützt.
 

Wie steht es um Ihre Lungengesundheit und was tun Sie dafür?

Meiner Lunge geht es gut. Sie bekommt viel frische Oberländer-Luft und hatte nie mit dem Rauch von Zigaretten oder Cigarren zu kämpfen, da ich überzeugte Nichtraucherin bin.