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Seit 2015 bietet die Lungenliga beider Basel ein umfassendes Angebot für die aktive Nachbetreuung aus dem Spital entlassener Lungenpatientinnen und -patienten an. Hand in Hand mit der Ärzteschaft lassen sich so die Qualität der Betreuung für die Klienten steigern und Spitalaufenthalte verkürzen. Im Interview macht Susann Laue deutlich, dass der markante Ausbau des Bereichs Heimventilation allen Beteiligten Vorteile bringt.

Im vergangenen Jahr hat die Lungenliga fast doppelt so viele Geräte für die Bereiche Heimventilation und Schlafapnoe ausgeliehen wie vor sechs Jahren. Weshalb?

 

«Vor allem im Bereich Schlafapnoe hat das Bewusstsein von Fachleuten und ­Betroffenen stark zugenommen. Heute wissen wir beispielsweise, dass auch Frauen oder ­schlanke Männer von Atemstörungen im Schlaf betroffen sein können. Gerade bei Frauen wurde früher häufig anstatt Schlaf­apnoe eine Depression diagnostiziert. Im Bereich Heimventilation geht der Trend hin zu früheren Entlassungen aus dem Spital, was zu einer stärkeren Nachfrage nach unseren Angeboten führt.»

 

Mit dem Ausbau des Angebots im ­Bereich Heimventilation sollen die gesamten Behandlungskosten gesenkt werden. Wo genau sehen Sie Ihren Beitrag?

 

«Wir stellen täglich fest, wie wichtig eine ­lückenlose ambulante Nachbetreuung ist. Nach dem Spitalaustritt fühlen sich ­viele Lungen­patientinnen und -patienten in ihrer Situation allein gelassen. Deshalb ist es ­wichtig, dass wir gerade in dieser ersten Phase das Vertrauen in die Therapieform stärken. Dazu gehört, dass wir Befindlichkeit, Komfort, Geräteeinsatz und Sitz der Maske stets sorgfältig prüfen. Das trägt dazu bei, die Anzahl der Arztbesuche und der Wiedereintritte ins Spital zu reduzieren. Das gleiche Ziel verfolgen wir mit unserem 24-Stunden-Pikettdienst: Wenn die Klienten zuerst uns anrufen, können wir im Rahmen unserer Kompetenzen handeln, z. B. wenn nötig Hausbesuche machen und erkennen, ob die Maske drückt oder Ersatzteile auszutauschen sind. Bei weiter gehenden Schwierigkeiten nehmen wir Rücksprache mit den ­zuweisenden Lungenärzten. Dank der Weiterbildung in Intensivpflege können unsere Pflegefach­personen zuverlässig entscheiden, wie dringend ein Fall ist.»

 

Was waren die Überlegungen hinter dem Ausbau des Angebots?

 

«Den Ausschlag gab die Schweizerische Gesellschaft für Pneumologie. Sie ­hatte den Bedarf einer aktiven ambulanten Nachbetreuung erkannt und trug der Lungenliga ihr ­Anliegen vor. Die Voraussetzungen unsererseits waren sehr günstig, ­verfügen wir doch über eine jahrzehntelange Erfahrung in der Betreuung von Atemwegspatientinnen und -patienten. Wir haben das medizinisch-technische Know-how und das diplomierte Pflegepersonal. Zudem umfasst unser i­­ntegrierter Beratungsansatz auch ­psychosoziale Beratung. Ermutigt haben uns die Beispiele erfolgreicher Kooperationen von Lungenligen und Spitälern in den ­Kantonen Waadt, Bern und Luzern. Von diesen ­Erfahrungen kann mein Team profitieren.»

 

Was sagen die Krankenversicherer?

 

«Die Frage der Finanzierung ist noch nicht restlos geklärt. Die Lungenliga beider Basel unterstützt das Angebot zurzeit aus Eigen­mitteln, der Pikettdienst wird von den Nordwestschweizer Ligen getragen. Ich sehe es so: Unsere Dienstleistung reduziert die gesamten Behandlungskosten, deshalb sollte unsere Leistung honoriert werden. Bei den Verhandlungen mit den Versicherern zeichnen sich denn auch erste Lösungen ab.»

 

Was wünschen Sie sich von der Ärzteschaft?

 

«Ich bin überzeugt, dass unser Angebot der ambulanten Nachbetreuung die ­Ärztinnen und Ärzte entlastet. Deshalb betone ich in Gesprächen immer wieder unsere ­Kompetenzen. Beispielsweise garantieren wir eine engmaschige Betreuung mit ­strukturierten Abläufen und eine saubere Dokumentation. Das Ziel ist, dass bei jedem Spitalaustritt jemand aus meinem Team an einer kombinierten Sprechstunde teilnimmt. Ich wünsche mir, dass die Lungenärzte die Chancen der partnerschaftlichen Zusammenarbeit nutzen. Denn gemeinsam können wir eine hohe Betreuungsqualität sicherstellen – zum Wohl der Patientinnen und Patienten!»

Foto Susan Laue, Leitung Bereich CPAP-Therapie und Heimventilation

Susann Laue

leitet seit dem 1. Januar 2015 den Bereich CPAP-Therapie und Heim­ventilation. Sie ist diplomierte Intensiv­pflege­fachfrau mit 15-jähriger Berufserfahrung. Zuletzt war sie als Teamleiterin auf der chirurgischen Intensivstation des Unispitals Basel tätig. Seit ihrem Stellenantritt bei der Lungenliga beider Basel entwickelt sie schwerpunktmässig das Projekt der aktiven ambulanten Nachbetreuung im Bereich Heimventilation.