Bewährtes hinterfragt, Umstrukturierungen

 

Sind die TB-Ligen überflüssig?
Die Tuberkulose begann in den siebziger Jahren in den industrialisierten Ländern weiterhin an Bedeutung zu verlieren und in anderen Ländern kam es in dieser Zeit sogar zur Auflösung der Bekämpfungsorganisationen gegen die Tuberkulose. Es wurde gespöttelt, dass diese sich durch ihre erfolgreiche Tätigkeit selbst die Arbeit genommen haben. In verschiedenen Kantonen der Schweiz übernahmen, oft auch unter Mitwirkung politischer Instanzen (Gesundheitsdirektionen), die Tuberkuloseligen unter Beibehaltung ihrer Funktion in der Bekämpfung der Tuberkulose als «Gesundheitsligen» allgemeine fürsorgerische Tätigkeiten. Im Kanton Solothurn fand eine solche Umwandlung nicht mehr statt. Die Liga hatte sich bereits die Unterstützung eines grossen Patientengutes erfolgreich zur Aufgabe gemacht: «In Erkenntnis, dass eine Koordination in der allgemeinen Gesundheitsfürsorge erforderlich ist, kann die Liga ihre Tätigkeit auch auf andere langdauernde Krankheiten der inneren Organe ausdehnen.»

Die Fürsorge wird Beratung
Schrittweise wurde jedoch die kantonale Organisation an die neuen Erfordernisse einer umfassenderen Gesundheitsfürsorge und Beratung angepasst. Kleine Sektionen wurden zusammengelegt, so dass sie Grössen erhielten, die die Anstellung einer ausgebildeten Fürsorgerin (Krankenschwester oder Sozialarbeiterin) erlaubten. Die Anzahl früher selbständiger Sektionen – in den Sechzigerjahren noch 22 – nahm rasch ab. Als letzter Zusammenschluss fand derjenige ganz im Norden des Kantons statt: «Bei Jahresbeginn (1975) konnte der Zusammenschluss der drei bisherigen Sektionen Dornach, Dorneckberg und Leimental zur Bezirksektion Dorneck verwirklicht werden. Damit umfasst unsere kantonale Liga nur noch neun Sektionen mit acht Fürsorgestellen.» Recht schnell musste auch erkannt werden, dass die geschilderte Ausweitung der Tätigkeit insbesondere auch finanzielle Konsequenzen hatte: «Auf den Fürsorgestellen entstand durch die Ausweitung der Tätigkeit auf andere Krankheiten … eine zusätzliche Arbeitsbelastung. Damit verbunden war selbstverständlich auch ein Anstieg der Kosten, für die – soweit es sich nicht um TB-Patienten handelt – keine Subventionen von Bund und Kanton beansprucht werden können. Der zufolge der polyvalent gewordenen Fürsorgetätigkeit erhöhte finanzielle Aufwand musste weitgehend aus Mitglieder- und Gönnerbeiträgen bestritten werden.» Erwähnenswert ist die Namensänderung der «Fürsorgestellen» in «Beratungsstellen» als «zeitgemässere Benennung». Die Tätigkeit der Beraterinnen wurde mit den Atemhilfsgeräten, die den Patienten erklärt und deren Gebrauch gewährleistet werden mussten, technisch intensiver und mit der Betreuung von Krebspatienten oft belastender. Auch wurden «Fürsorgeärzte» und damit ärztliche Konsultationen, die jahrzehntelang auf Fürsorgestellen stattgefunden haben, nicht mehr ersetzt und die Beraterinnen ermutigt, «bei Problemfällen … die Hausärzte der Hilfesuchenden um Rat anzugehen».

75 Jahre: Blick zurück und nach vorne
1979 feierte die Liga ihr 75-jähriges Bestehen. Neben dem «Blick zurück» gab dies auch Gelegenheit, in die Zukunft zu schauen. Damals wurden im Kanton noch um die 30 TB-Patienten registriert, die Bazillen aushusteten. Dies waren 30-mal weniger als bei Beginn der Tätigkeit der Liga 1904! Die Frage, «ob unsere heutigen Methoden für diesen Kampf noch sinnvoll genug sind», musste gestellt werden. Sie wurde «… teilweise mit nein beantwortet. Unbestritten bleibt, dass der tuberkulöse Patient weiterhin unserer ganzen Aufmerksamkeit bedarf. Offen ist aber, ob wir mit dem Schirmbild, dem Tuberkulin und dem BCG-Impfstoff noch das machen, was die heutige Zeit fordert, nämlich das Auffinden stiller Tuberkelbazillenträger, die später die tuberkulösen Patienten stellen könnten. Finden wir diese, so können sie erfolgreich behandelt werden… Tuberkulin-Test, BCG-lmpfungen und Schirmbild zu überdenken und neu zu ordnen, bleibt eine der dringendsten Aufgaben für die nahe Zukunft.»