Liga zur Bekämpfung der Tuberkulose

 

Die Liga, ein Anliegen der Frauen
Am 23. Juni 1904 fand die Gründungsversammlung der «Frauenliga zur Bekämpfung der Tuberkulose» statt. Im Einladungsschreiben – unterschrieben von neun Frauen (Frau Enz, Frau Prof. Gisi, Frl. Elise Heutschy, Frau Jaeger, Frau Schlatter-Pfaehler, Frau Dr. Walker, Frau Dr. Wyss-Kaufmann, Frau Zetter-Fröhlicher, Frl. Beatrice Zetter) finden wir interessante Passagen, weshalb die Aufgabe der Tuberkulosebekämpfung, insbesondere im sozialen Bereich, eine «Sache der Frau» sei: «Seitdem die wissenschaftliche Forschung nachgewiesen hat, dass die Tuberkulose, entgegen den Anschauungen früherer Zeiten, ansteckend, aber verhütbar und heilbar ist, hat der Kampf gegen diese verheerenste aller Volkskrankheiten Aussicht auf Erfolg gewonnen. Man weiss nun, dass durch zweckmässige Schutzmassnahmen diese Krankheit an ihrer Ausbreitung verhindert werden kann, wie andere Infektionskrankheiten und dass durch umfassende Hülfeleistung viele der Erkrankten Besserung und Heilung finden können. Nun fällt ein grosser Teil der Mittel und Wege zur Abwehr der Krankheit, wir nennen hier beispielsweise die Frage der körperlichen Erziehung, der Wohnung, der Ernährung, in erster Linie der Obhut der Hausfrau anheim.
Es erscheint demnach geboten, dass die Frau auf dem Gebiete in wohlorganisierter, zielbewusster Tätigkeit einen segensreichen Einfluss auszuüben beginnt.» Aus dem Jahresbericht 1903 der Kommission der solothurnischen Heilstätten kann zudem zitiert werden: «Wenn die Frauen, die in den grösseren Ortschaften des Kantons an der Spitze der Wohltätigkeitsbestrebungen stehen, zusammentreten, in jedem Dorfe des Kantons Genossinnen suchen, welche sich liebevoll und tatkräftig dieser Frage annehmen, so könnten wohl ein paar Tausend Mitglieder für die neue Organisation gewonnen werden ...»

Die Aufgaben
In den Statuten wurde der Zweck der Liga folgendermassen umschrieben:
1. Bekämpfung der Tuberkulose.
2. Förderung der Solothurnischen Heilstätte für Tuberkulöse.
3. Unterstützung der an Tuberkulose Erkrankten.

In einem besonderen Artikel wurde festgelegt, dass «für die laufenden Ausgaben der Zentralkasse und zu Gunsten des Sanatoriumfonds (ist) wenigstens ein Drittel der Einnahmen an die Zentralkasse einzuliefern (sei)». Die Gründung einer Frauenliga war für diese Zeit nichts Aussergewöhnliches. Die treibende Kraft war erneut Herr Dr. A. Christen. Zum Teil konnte auf bereits bestehende, in den Gemeinden organisierte Hilfskomitees zurückgegriffen werden, die sich bereits der Armen- und Krankenpflege angenommen hatten.

Geldspenden und Fürsorge
Durch das 19. Jahrhundert hatte man bei der humanitären Bewältigung verschiedener Naturkatastrophen mit spendensammelnden Frauenkomitees gute Erfahrungen gemacht. Zwar seien dann die gesammelten Gelder wieder durch Männer verteilt worden, wie Prof. Ch. Pfister, Universität Bern in «Naturkatastrophen als Schrittmacher gesellschaftlicher Lernprozesse» ausführt. Zweifellos war die damaligen Tuberkuloseepidemie ebenfalls eine Art Naturkatastrophe. In Zeitungsberichten über die Gründungsversammlung wird dann auch entsprechend informiert: «Die Überzeugung, dass der Kampf gegen den furchtbarsten Frevler am Menschen, die Tuberkulose, mit allen zweckdienlichen Mitteln aufgenommen werden müsse, erfüllt die Herzen aller...» Und: «Was jedes einzelne Frauenherz an Verständnis, an Mitgefühl, an liebevoller, treuer Fürsorge seinen leidenden Mitmenschen entgegenbringt, das ist’s, worauf es ankommt.»