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Kriegsjahre, "Konkurrenz" der Männer

 

Der Erste Weltkrieg
Am 28. Juni 1914 brach nach einem Mord am österreichisch-ungarischen Thronfolger der Erste Weltkrieg aus. Die nachfolgenden vier Kriegsjahre hatten, ganz abgesehen von den sozialen und Ernährungsproblemen andere, recht unerwartete Konsequenzen: So musste «aus ökonomischen Gründen beim Ausbruch des Krieges auf die Drucklegung eines Jahresberichtes verzichtet werden». Und im Jahresbericht 1918 steht einleitend: «Auch dieses Jahr erlaubt uns die allgemeine Notlage in mehr als einer Beziehung nicht, eine Generalversammlung abzuhalten. Die Verkehrsverhältnisse sind schwierig, die Grippe-Epidemie ist noch nicht erloschen und die wirtschaftliche Lage ist auch nicht befriedigend. Vielleicht können im Herbst bezirksweise Zusammenkünfte stattfinden, wenn bessere Zeiten eingetreten sind. Wir wurden indessen von der Sanatoriumskommission gebeten, als Zentralvorstand weiter zu amten.»

Komplexe Probleme
Die Verknappung und Verteuerung der Lebensmittel, die Strapazen der Grenzbesetzung und die Grippeendemie von 1918/19 führten zu einem markanten Anstieg der TB-Kranken, das Sanatorium Allerheiligenberg wies ein gewaltiges Defizit in der Betriebsrechnung auf. Trotz den Schwierigkeiten wurde in den Kriegsjahren nach Möglichkeit überall geholfen, aber auch erkannt, dass Verbesserungen nicht nur durch soziale Hilfe erreicht werden können: «Vieles ist für die Pflege und Heilung der tuberkulös Erkrankten und für die von der Krankheit Bedrohten geschehen, aber so lange die Volksverderber: Alkohol, feuchte, ungesunde Wohnungen, Mangel an hauswirtschaftlicher Bildung der Frau nicht auf staatlichem Wege bekämpft werden, ist die Axt nicht an die Wurzel des Übels gelegt. Wann wird ein Gesetz erstehen, das bestimmt, dass Mädchen unter 16 Jahren nicht Fabrikarbeiterinnen werden dürfen, da ihre physischen Kräfte für spätere Aufgaben erhalten werden sollten?» Der Jahresbericht 1918 schliesst dann: «Wir gehen einer neuen Zeit entgegen. Sie bringt uns grosse Aufgaben. Möge es uns nicht an sozialem Verständnis und an Bereitwilligkeit fehlen sie zu lösen!» 1921 finden wir die interessante Anmerkung, dass in der «Handhabung des Subventionsprinzipes» die Frauenliga bereits «seit Jahren nicht nur Solothurner, sondern auch Bürger anderer Kantone und Ausländer» unterstützen würde; dies im Gegensatz zu anderen Kantonen.

Eine «Männerliga» zur Bekämpfung der TB
Mitten in diese umtriebige Tätigkeit der Frauenliga fällt am 30. September 1923 die Gründung der «Solothurnischen Vereinigung gegen die Tuberkulose». Diese wurde in den ersten Jahren auch als «Männerliga» bekannt. Die Aufarbeitung ihrer Entstehungsgeschichte neben der Frauenliga könnte ein Buch füllen, insbesondere da in anderen Kantonen Frauenligen bis praktisch ans Ende des 20. Jahrhunderts Bestand hatten. Offensichtlich waren «Männer» im Kanton Solothurn der Ansicht, dass insbesondere die notwendige politische Arbeit nur durch Männer gemacht werde kann. Bei dem damaligen und noch jahrzehntelang anhaltenden Ausschluss der Frauen von der politischen Tätigkeit ist das aus heutiger Sicht wenigstens teilweise verständlich. So wird dann auch die Sprache im ersten Jahresbericht der «Männer-Vereinigung» politischer: «Wenn sich also die Männer erst im Jahre 1923 entschlossen haben, auf dem Gebiete der Tuberkulosebekämpfung allgemein aktiv zu werden, so kommt dieser Entschluss wahrlich nicht mehr zu früh. Vieles ist ja auch von Seiten der Männer getan worden. Wir erinnern nur an die segensreiche Wirkung der sozialen Gesetzgebung auf die Tuberkulosesterblichkeit und an die Bewilligung von Krediten. Die sozialen Ursachen der Tuberkulose, die Bedeutung der Tuberkulosebekämpfung in volkswirtschaftlicher Beziehung müssen der Allgemeinheit vor Augen geführt werden. Dann wird sicher eine den Anforderungen der Zeit entsprechende Seuchengesetzgebung ihre grosse Wirkung nicht verfehlen.»