Gelungene Fusion, erneuter Weltkrieg

 

Rege politische und fürsorgerische Tätigkeit
Bundesgesetz und kantonale Vollziehungsverordnung brachten dem neu entstandenen Ligasekretariat viel organisatorische Arbeit. Die Jahresberichte zeugen aber davon, dass die Fusion von Frauenliga und Männervereinigung viel Gutes brachte. Die «Nächstenliebe» der Frauen war mit ihrer fürsorgerischen Seite in praktisch allen Gemeinden des Kantons ebenso wirksam und effizient wie die «Politik» der Männer. Hauptsächlich Frauen organisierten die Fürsorge in den Gemeinden und sorgten, trotz den damaligen Krisenjahren, für eine bestmögliche Betreuung der Kranken und die individuelle Unterstützung von Gefährdeten und deren Familien. Dass auch die Nächstenliebe hie und da geregelt werden musste, bezeugen Angaben über einen Kurs im dritten Kriegsjahr: Die Fürsorgerinnen tagten… um sich über die Regelung der Abgabe von Milchzusatzkarten orientieren zu lassen. An der gleichen Konferenz wurden die Richtlinien für die Abgabe von Ovomaltine in Erinnerung gerufen.» Das Kantonalsekretariat war äusserst aktiv bei der Koordination aller möglichen Kräfte und Institutionen, die im Kampf gegen die TB etwas beitragen konnten. So vergrösserte sich der Kantonalvorstand der Liga von Jahr zu Jahr und hatte 1944 30 Mitglieder. Als Institutionen waren darin vertreten: «Die kantonale Regierung mit dem Vorsteher des San-Dep., dem Kantonsarzt und dem Kantonstierarzt (wegen der Rinder-TB), die Aufsichtskommission der Volksheilstätte Allerheiligenberg, die kantonale Ärztegesellschaft, der kantonale Lehrerbund, der Kantonalvorstand Solothurnischer Krankenkassen, der Verband soloth. Samaritervereine, die gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Solothurn, die Kantonal-Komitees von Pro Juventute und Pro Senectute.» Daneben finden wir noch 17 weitere Mitglieder im Kantonalvorstand, die Sektionen und Gemeinden vertraten.

Neue Massnahmen
Vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden Erfahrungen mit einem Tuberkulintest (Moro) gewonnen. Mit diesem konnten tuberkulös infizierte Schulkinder, die aber nicht erkrankt sein mussten, bezeichnet werden. In diesen Jahren war es eher eine Seltenheit, wenn jemand nicht während seiner Kindheit und Jugend «positiv» wurde. Solche Tätigkeiten aufzubauen, brauchte viel organisatorisches und auch politisches Geschick und namentlich auch Geld, das – erneut in Kriegsjahren – fehlte. Doch wurde immer wieder auch nach besseren gesetzlichen Grundlagen und kantonalen Richtlinien gesucht und diese wurden oft nach relativ kurzer Zeit bereits wieder revidiert. Es kam zu einer ersten Regelung der Zwangshospitalisation, (der Möglichkeit, einen ansteckungsgefährlichen Tuberkulosekranken zwangsweise in eine Krankenanstalt einzuweisen), die ja bis heute als fürsorgerischer Freiheitsentzug ein Politikum geblieben ist. Daneben wurde die Wohnungshygiene geregelt, ferner das Desinfektionswesen, das Meldewesen über Erkrankungsfälle und die bakteriologische Untersuchung.

Einfluss der Kriegsjahre
Die Kriegsjahre führten auch noch zu anderen wichtigen Erkenntnissen. Bei Armeeangehörigen wurde mehr und mehr die Durchleuchtung zum Auffinden von Tuberkuloseerkrankten angewandt. Ferner entwickelten sich aus den militärmedizinischen Anstrengungen zur Bekämpfung der TB neue Vorgehensarten zum Auffinden von TB-Patienten. In Reihenuntersuchungen wurde der kranke Armeeangehörige gesucht, um mit seiner Einweisung in ein Sanatorium die Ansteckungsgefahr für seine Dienstkameraden zu verkleinern. «Die von der Armee angeordneten Umgebungsuntersuchungen für Angehörige tuberkulöser Wehrmänner wurden fortgesetzt. Sie verursachten den Fürsorgestellen und dem Sekretariat bedeutende Mehrarbeit … Sie (die mobile Reihendurchleuchtung) schaffte das Verständnis für den Zweck der Umgebungsuntersuchung überhaupt.» Vorerst konnte aus wirtschaftlichen Gründen aber nicht an einen Ausbau der Ligaarbeit gedacht werden, der Zweite Weltkrieg war, als die Liga 40 Jahre alt wurde, noch nicht vorbei.