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Deutliche Fortschritte, Volksnein

 

Fehlschlag für weiteres Gesetz
Der Oberfeldarzt während des Krieges, Dr. Paul Vollenweider, wurde in den Nachkriegsjahren Direktor des Eidgenössischen Gesundheitsamtes und wollte seine Erfahrungen in der TB-Bekämpfung durch ein Ergänzungsgesetz zum Bundesgesetz zur Bekämpfung der Tuberkulose in dieses einfliessen lassen. Dieses Ergänzungsgesetz wurde 1949 verworfen. Für die Verwerfung waren politische Gründe (Föderalismus) massgebend, so dass sich 1951 der Kanton Solothurn ein eigenes Tuberkulosegesetz, das der Anwendung der neuen Bekämpfungsformen staatliche und kommunale Unterstützung zusagte, gab. Die Durchführung der Bekämpfung der TB (meistens als Tuberkuloseprophylaxe bezeichnet) nach neuen Erkenntnissen (Reihenuntersuchungen mit Schirmbildern, Tuberkulintests, Impfungen) gaben der Liga nebst neuer Arbeit auch Ansehen und Genugtuung. Die Tuberkulosesterblichkeit im Kanton sank in den Nachkriegsjahren gewaltig und war 1950 praktisch 10-mal kleiner als 1900. Es starben noch 2–3 Personen auf 10000 an TB pro Jahr.

Erste wirksame Medikamente

Für diesen Erfolg war auch die Einführung neuer Arzneien gegen die TB verantwortlich. Der zu Ende gegangene Krieg war ebenfalls an deren Entwicklung massgeblich beteiligt. Die pharmazeutische Industrie entwickelte während der Kriegsjahre erstmals chemische Substanzen zur Vermeidung von Wundinfektionen. Einige konnten auch gegen die TB-Bakterien im Körper eingesetzt werden und bewirkten «wahre Wunder». Daneben erleichterten die neuen Methoden wie Tuberkulintests und Röntgenreihenuntersuchungen das Auffinden von TB-Kranken, und eine Schutzimpfung versprach sogar ein direktes präventives Angehen der Erkrankung. Dr. Adolf Ott, Solothurner Kantonsarzt und zugleich Ligapräsident, wurde, dank Unterstützung durch die Grenchner Uhrenindustrie (Stiftung Schild AG), ein Pionier im schweizerischen Schirmbildwesen und in der TB-Bekämpfung im Allgemeinen.

Die sich in der Folge einstellenden grossen Erfolge in der TB-Bekämpfung wurden interessanterweise nur zögerlich den erwähnten neuen Heilmitteln zugeschrieben. Es fehlte nicht an kritischen Betrachtungen dieser Medikamente. Es war für die damaligen TB-Ärzte nicht einfach, sich von den althergebrachten Therapieformen zu lösen: «Angezeigt ist die Anwendung von Streptomycin auch im Sinne einer zusätzlichen Hilfe bei bestimmten Formen und Stadien insbesondere der Lungentuberkulose, die weiterhin mit dem Pneumothorax, der Thorakoplastik oder mit anderen chirurgischen Eingriffen behandelt werden müssen» (1948). Oder: «Neue antituberkulöse Mittel haben schon immer in die Tätigkeit der Sanatorien, Spitäler und der Fürsorge eine gewisse Unruhe und Verwirrung gebracht, weil die von ihnen betreuten Kranken von einem neuen Mittel alles erhoffen und sich einem geordneten Heilplan nicht mehr mit gleicher Konsequenz unterziehen wollen. Nachdem die erste Welle der «Rimifon-Begeisterung» in der Patientenwelt verebbt ist, stellt sich auch bei den meisten Kranken wieder eine nüchterne Kritik ein, die es den Ärzten und den Fürsorgestellen erlaubt, das sinnlose «Nur-Tabletten-Schlucken» zu korrigieren und den notwendigen Heilplan durchzuführen» (1952). Eine aus heutiger Sicht erstaunliche Aussage, da die kontrollierte Medikamentenabgabe aktuell das A und das O der TB-Behandlung darstellt.

Erfolgreiche Fürsorge- und Spendentätigkeit
Finanziell ging es der Liga zunehmend besser. Die Fürsorgetätigkeit der damals 22 Sektionen und die Tätigkeit des Kantonalsekretariates mit Schirmbild- und Impfdienst profitierten von der Erholung der Wirtschaft in den Nachkriegsjahren. Mit den gesetzlich verankerten Beiträgen von Bund und Kanton und den Beiträgen der Mitglieder (1949 z.B. bestand die Liga aus 18200 Einzelmitgliedern und 272 Kollektivmitgliedern, die Letzteren aus 109 Einwohnergemeinden, 12 Bürgergemeinden und 251 Geschäftsfirmen) hatten die Liga und die Sektionen gute finanzielle Abschlüsse und konnten den finanziellen Ansprüchen, die sowohl an die Sektionen wie an das Zentralsekretariat gestellt wurden, gerecht werden.