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Ist die Ausrottung der TB möglich?


Bedeutsame andere Lungenkrankheiten
Ab 1964 begann die TB ihre gefürchtete Rolle zu verlieren. In der Schweiz wurden die wenigen tuberkulös Erkrankten, die meistens über die Dienste der Akutspitäler zur Behandlung kamen, in die Sanatorien überwiesen. Patienten mit anderen chronischen Lungenkrankheiten, wie Asthma, dessen Therapie noch nicht etabliert war, und chronische Bronchitis, mit ihren vielen Rückfällen, füllten aber die Akutspitäler. Es wurde eine gute Dauerbetreuung der unter diesen Krankheiten leidenden Patienten gefordert. Eine solche konnte, wegen der «Verwandtschaft» dieser Erkrankungen mit der TB – die abgeheilte Lungen-TB bewirkte oft solche Erkrankungen – von der Liga und auch von den Sanatorien geleistet werden. Doch bleiben wir vorerst bei der TB.

Weltweite TB-Bekämpfung
Die Bekämpfung der TB machte solch erfreuliche Fortschritte, dass im Jahresbericht 1966 erstmals die Frage der «Ausrottung der Tuberkulose in zivilisatorisch entwickelten Ländern…» gestellt wurde. Sie wurde verneint. «Dieses Ziel bleibt … noch über Generationen unerreichbar. Die ausserordentliche Hartnäckigkeit der menschlichen Tuberkulose kann an dem drastischen Vergleich zwischen Human- und Veterinärmedizin aufgezeigt werden. Die Tierärzte sahen letztlich einen Erfolg in der Ausmerzung der Rindertuberkulose nur durch die radikale Schlachtung aller Keimträger.» Herrn Dr. Ott, dem damaligen Präsidenten, entging aber nicht, dass weltweite Anstrengungen in der TB-Bekämpfung nötig waren «… die Einführung eines Tuberkulosebekämpfungsmodelles im Distrikt Ulanga des Entwicklungslandes Tansania …» war eine Pioniertat des damaligen Ligapräsidenten aus dem Kanton Solothurn.

Bei uns war die Bekämpfung der TB etabliert und bedurfte in diesen Jahren keiner wesentlichen Änderung oder Neuerung. In den Jahresberichten finden wir einige Male die Aussage: «In den täglichen Routinearbeiten hat sich nicht viel geändert.» Als Neuerung wurde einzig die BCG-Schutzimpfung für sämtliche Neugeborenen gefordert. In Schüler- und Erwachsenenkollektiven war sie schon lange Routine. Schirmbilduntersuchungen wurden alle 2 bis 3 Jahre in industriellen Betrieben und in den Gemeinden durchgeführt. Die finanzielle Situation für die Tuberkulosekranken, aber auch diejenige der Sektionen der Liga, war, auch wegen einer Rückversicherung der Krankenkassen, recht gut.

Erweiterung der Tätigkeit über die TB hinaus

Der Rückgang der TB-Kranken führte zu einer erst nach etlichen Jahren offiziell registrierten Änderung im Patientengut sowohl der Fürsorgestellen wie auch der Sanatorien. Die Volksheilstätten wurden zu Mehrzweckheilstätten und später Höhenkliniken, so auch das Sanatorium Allerheiligenberg. Die Fürsorgestellen übernahmen zusätzliche Aufgaben. «Dem Rufe nach Koordination und Rationalisierung verschiedener Fürsorgewerke ist die Tuberkuloseliga insofern nachgekommen, als bereits (…) das Sekretariat der Tuberkulose- und der Krebsliga dieselben Verwaltungs- und Fürsorgeräume benützen, der Sekretär der Tuberkuloseliga auch die Verwaltung der Krebsliga besorgt und die Tuberkulose-Fürsorgerinnen auch Krebskranke betreuen.» (1966) Ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger, war die offizielle statutarische Verankerung der Ausdehnung der Tätigkeit auf Lungenkrankheiten und Atembehinderungen. Diese wurde an der Generalversammlung 1971 beschlossen. Die Liga wurde offiziell zur «Solothurnischen kantonalen Liga gegen Tuberkulose und Lungenkrankheiten» und hatte den Zweck, »die tuberkulösen und nicht tuberkulösen Lungenkrankheiten auf dem Gebiet des Kantons Solothurn zu bekämpfen.» Daneben wurde statutarisch die Zusammenarbeit mit der Krebsliga und damit die gemeinsame fürsorgerische Betreuung von Krebskranken geregelt. Als damals ganz neue Tätigkeit musste die Organisation und technische Betreuung der Atemhilfsgeräte, die sich anfänglich auf Inhalationsapparate und Sauerstoffspender beschränkten und die an Zahl rapide zunahmen, an die Hand genommen werden. Die Vermietung derselben konnte den Krankenkassen in Rechnung gestellt werden.