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Schirmbild ade, die Tuberkulose der Randgruppen

 

Neue Gruppen bei den TB-Patientinnen und TB-Patienten
Die Marschrichtung dieser Jahre wurde bereits im Jahresbericht 1984 deutlich: «Die Tuberkulose behält ihren kleinen aber wichtigen Platz in unserem Arbeitsfeld. Entgegen unseren Erwartungen war diese Krankheit in den letzten Jahren nicht mehr so eindeutig rückläufig wie Mitte der 70-er Jahre.» Es zeigte sich immer deutlicher, dass die zukünftige TB oft eine Erkrankung von sozial definierten Personen wurde. So waren 1991 von 25 Erkrankungen an TB 10 in Gastarbeiterfamilien, 6 bei Asylsuchenden und nur 9 bei ursprünglichen Einwohnern des Kantons zu finden. Erstmals gab es im Kanton auch vereinzelt Aidsbetroffene mit besonderen Formen von TB-Erkrankungen, die in Ländern ohne organisierte TB-Überwachung katastrophale Folgen hatten. «Es gilt nach wie vor, dass wir unsere Bekämpfungsmassnamen immer wieder überdenken, Effizientes beibehalten und weniger Wichtiges gezielt abbauen … Die Unterlagen einer «Arbeitsgruppe für das Schirmbild» der Schweizerischen Vereinigung gegen Tuberkulose und Lungenkrankheiten standen uns dabei zur Verfügung. Dank den Vorarbeiten können wir im Frühjahr 1985 mit konkreten Plänen, die Zukunft des Schirmbildes im Kanton Solothurn betreffend aufwarten.»

Verzicht auf das Schirmbild
Aus diesen Worten geht hervor, dass erstens auf gesamtschweizerische Überlegungen Rücksicht genommen wurde und zweitens die Neuerungen gut geplant und ein Abbau schrittweise – nach Auswertung eigener Daten über die Effektivität, nach Orientierung aller Interessierten und auch nach Ordnen der Zukunft der verdienten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – durchgeführt wurde. Es zeigte sich dabei, dass die Auflösung der bereits erwähnten Stiftung der Grenchner Industrie, die die Anfänge des Schirmbildwesens im Kanton ermöglichte, äusserst hartnäckig war und erst vier Jahre nach der letzten Schirmbildaufnahme abgeschlossen wurde. Ihr Vermögen wurde hälftig zwischen der Liga und dem Personalfürsorgefonds der damaligen Ebauches AG Grenchen geteilt, der Kanton konnte Subventionen von jährlich 120000 Franken anderweitig verwenden. Der Betrieb der Schirmbildzentrale Grenchen wurde Ende 1986 eingestellt, ihr Bildarchiv aus juristischen Gründen und zu Vergleichszwecken noch weitere 10 Jahre auf Allerheiligenberg in der dortigen Röntgenabteilung verwaltet. 1987 wurde ein weiterer Eckpfeiler der früheren TB-Prophylaxe, die BCG-Impfung, sistiert: «Im vergangenen Jahr wurde auch die BCG-Impfung in den Schulen (…) etwas vorzeitig aufgegeben und durch eine sinnvolle Tuberkulin-Testung abgelöst. So werden wir (…) auf den Impfkarten der Schüler bekannt geben können, ob diese mit Tuberkulosebakterien in Berührung gekommen sind oder nicht. Diese Information, die lebenslänglich von Bedeutung sein kann, ist im heutigen Zeitpunkt der guten Tuberkulosebehandlungsmöglich-keiten wichtiger als die Impfung selbst, die leider nie einen ganz überzeugenden Impfschutz zeigen konnte.»

Neue Aufgaben in der Prävention
Mit dem geplanten Abbau von TB-Bekämpfungsmittel ging ein steter Aufbau von Massnahmen zur Bekämpfung der übrigen Lungenkrankheiten einher. Die Bekämpfung ihrer vielseitigen Ursachen beschäftigt uns noch heute und erscheint ähnlich komplex wie die Bekämpfung der TB vor hundert Jahren: «An der Generalversammlung in Bad Meltingen beschäftigte uns neben den ordentlichen Geschäften das Thema «Luftverschmutzung und Lunge». Es ist unsere Pflicht in diesem komplizierten Gebiet ein gut dokumentiertes Wissen zu besitzen … Dabei bleibt uns bewusst, dass aktives und passives Rauchen vorerst noch der Luftverschmutzung (als Krankheitsursache) den Rang abläuft.» Der technische Dienst für die Kontrolle, Reparatur und Überwachung der Atemhilfsgeräte, die in diesen Jahren noch durch CPAP-Geräte (zur Behandlung des Schlafapnoesyndroms mit atembedingtem Abfall des Sauerstoffes während der Nacht) ergänzt wurden, musste ständig ausgebaut werden. Eine Zentralisierung gewisser Tätigkeiten war unumgänglich, spezialisiertes technisches Personal konnte nicht in allen Beratungsstellen der Sektionen gehalten werden.