Professionalisierung der Beratungsstellen

«Den Strukturveränderungen im Gesundheitswesen kann sich auch eine traditionsreiche Organisation, wie die Lungenliga nicht entziehen. Die Anforderungen unserer Geldgeber an die Qualität der erbrachten Leistungen, welche nur mit einer zunehmenden Professionalisierung erfüllt werden können, wachsen. Anstelle von Beraterinnen die alle Aufgabengebiete von der Tuberkulose über den Apparatedienst zur Sozialberatung abdecken, werden in Zukunft fachkompetente spezialisierte Beraterinnen gefordert.» Hinter diesen Zeilen versteckt sich viel Arbeit. Ab 1996 nennt sich die «Solothurnische kantonale Liga gegen Tuberkulose und Lungenkrankheiten» kurz «Lungenliga Solothurn». Sie lehnt sich dabei an eine statutarische Vorgabe der «Lungenliga Schweiz» an. «Solothurn» bezieht sich dabei auf den ganzen Kanton, was leider nicht immer verstanden wurde!

Tuberkulosebekämpfung bleibt
Die Tuberkulose fehlt in dieser jüngsten Bezeichnung, ist aber noch in der Zweckbestimmung: «Die Lungenliga Solothurn bezweckt die Bekämpfung von: Lungenkrankheiten, Atembehinderungen und Tuberkulose.» Bis zum Jahr 2001 werden der Beratungsdienst zentralisiert und die Krebsliga wird 2003 von der Lungenliga getrennt. Diese radikale Umstrukturierung bringt ein «System mit spezialisierten und zentralisierten Abteilungen… Diese Spezialisierung macht eine noch kompetentere Beratung und Betreuung der Lungenpatientinnen und Patienten möglich. Trotzdem bleibt die Lungenliga mit ihrem bisherigen flächendeckenden Beratungsnetz im ganzen Kanton präsent. Für die häufig behinderten Lungenkranken soll der Weg zur Lungenliga auch in Zukunft kurz bleiben.» Der staatliche Auftrag zur Bekämpfung der TB reduziert sich ganz beträchtlich und wird dort noch wichtig, wo das Know-hows bei der Lungenliga erhalten blieb. Tuberkulinproben für Umgebungsuntersuchungen und – wo nötig – Überwachung der Medikamenteneinnahme sind in einer Leistungsvereinbarung mit dem Kantonsarzt geregelt. Die Lungenliga betreibt ein «Kompetenzzentrum Tuberkulose», um das nötige Wissen zu erhalten und die Ausbildung und Kontrolle zu sichern. Der Apparatedienst ist immer noch im Zunehmen, die soziale Beratung in Notlagen bleibt wichtig. Regionale Sprechstunden sorgen für einen optimalen Service für alle Patientinnen und Patienten. Eine Abteilung für Prävention liefert Unterlagen und Ideen zur Vermeidung von Lungenkrankheiten. Die Leistungen, deren Entgelt und Qualitätskontrollen richten sich nicht mehr nach kantonalen, sondern nationalen Richtlinien.

Integration der Sektionen
Die acht Sektionen (Grenchen, Bucheggberg, Solothurn, Wasseramt, Balsthal, Thierstein/Dorneck, Olten/ Gäu und Niederamt), die keine eigenen Beraterinnen mehr hatten, verloren in den letzten Jahren praktisch ihre Existenzberechtigung und es stellte sich die Frage ihrer Auflösung bzw. ihrer statutarischen Integration in die kantonale Organisation der Lungenliga Solothurn. Bei den früheren Zusammenschlüssen wurden die kleinen Vermögen der ursprünglich maximal 25 selbständigen Vereine langsam immer grösser und schliesslich recht bedeutungsvoll. Während der gemeinsamen Arbeit mit der Krebsliga wurden die Spendengelder sowohl im Namen von Krebs- wie Lungenpatientinnen und Patienten gesammelt und ausgegeben. So war es nicht leicht, bei dieser Integration gute Verteilschlüssel für diese Vereinsvermögen zu finden. Fast war es wie in den Gründerjahren, als die überregionale solidarische Abgabe von Geld an die kantonale Zentralkasse kritisiert wurde. Damals wollten Regionen, die von der TB verschont blieben, bekanntlich keine Gelder an die Zentralkasse übergeben. Geduldige Gespräche in den letzten Jahren führten doch in gut gelebter Solidarität in den meisten Sektionen zu einer vernünftigen Verteilung dieser Gelder. Entsprechend dem hohen Stellenwert der Krebserkrankungen wurde die Krebsliga grosszügig berücksichtigt. Möge diese Solidarität in den nächsten 10 x 10 Jahren erhalten bleiben.