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Hohe Besteuerung reduziert den Tabakkonsum

Hat die Tabaksteuer – nach Isolierung weiterer Begleitmassnahmen – eine Wirkung auf den Tabakkonsum? Dieser Frage ist die ZHAW in einer ländervergleichenden Analyse im Auftrag der Lungenliga Schweiz und der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz nachgegangen.


Hohe Tabaksteuern und damit einhergehend hohe Preise wirken insbesondere bei jungen Menschen: Bei einer Preiserhöhung nimmt bei jungen Menschen der Tabakkonsum zwei- bis dreimal so stark ab wie bei Erwachsenen [1]. Höhere Steuern bzw. Tabakpreise verhindern zudem, dass junge Menschen mit dem Tabakkonsum beginnen. Anhand eines datenbasierten Berechnungsmodells kann dargelegt werden, dass eine Preiserhöhung von 10% zu einem Konsumrückgang von bis zu 9% führen kann.

 

Studienergebnisse
Die Studie des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie der ZHAW zeigt auf, dass die Schweiz im europäischen Vergleich ein tabakkonsumfreundliches Umfeld mit einer tiefen Gesamtsteuerbelastung von Zigaretten, einem tiefen kaufkraftbereinigten Zigarettenpreisniveau und einem tiefen Tobacco Control Scale-Score [2] aufweist. Bezüglich Prävalenz des Zigarettenrauchens und des Zigarettenkonsums liegt die Schweiz im europäischen Mittelfeld. Alternative Tabakprodukte werden in Europa meist viel tiefer besteuert als Zigaretten. Die Besteuerung dieser Produkte in der Schweiz ist Gegenstand der Revision des Tabaksteuergesetzes, das demnächst in die Vernehmlassung geht.

Die Analyse kommt zum Schluss, dass höhere Tabaksteuern in einem relativ tabakkonsumfreundlichen Umfeld und bei einem tiefen Zigarettenpreisniveau wie der Schweiz im Durchschnitt mit einem tieferen Zigarettenkonsum einhergehen. In europäischen Ländern mit relativ strengen Tabakkontrollmassnahmen und hohem Zigarettenpreisniveau führen höhere Tabaksteuern zu einer tieferen Prävalenz des Zigarettenrauchens.

 

Bündel von Massnahmen nötig
Die Studienresultate deuten darauf hin, dass es für eine deutliche Reduktion des Anteils an Zigarettenraucherinnen und -rauchern in der Bevölkerung ein Bündel von Tabakkontrollmassnahmen braucht. Hohe Tabaksteuern sind dabei eine notwendige, aber als Einzelmassnahme keine hinreichende Voraussetzung. Wenn die Gesellschaft und Politik in der Schweiz die Prävalenz des Zigarettenrauchens nachhaltig reduzieren wollen, müssen gemäss den vorliegenden Erkenntnissen gleichzeitig weitere strenge Tabakkontrollmassnahmen eingeführt werden.

 

Die Wirkung von Tabaksteuern – Die Schweiz im europäischen Ländervergleich
Im Auftrag der Lungenliga Schweiz und der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz (AT) untersuchte das Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der ZHAW School of Management and Law den Einfluss von Tabaksteuern auf das Rauchverhalten.

Die Studie kann hier heruntergeladen werden.

 

Die Lungenliga ist eine nicht-gewinnorientierte Gesundheitsorganisation mit über 700 Mitarbeitenden, die sich seit über 115 Jahren für Menschen mit Lungen- und Atemwegserkrankungen einsetzt. Sie berät und betreut über 100'000 Patientinnen und Patienten an 70 Standorten in der ganzen Schweiz sowie zuhause, damit diese möglichst beschwerdefrei und selbständig leben können. Die Lungenliga engagiert sich zudem in den Bereichen Gesundheitsförderung und Prävention, der Weiterbildung von Fachpersonen sowie der Forschungsförderung. Die Gesundheitsorganisation ist ZEWO-zertifiziert und besitzt das NPO-Label für Management Excellence.

 

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[1] World Health Organization. WHO report on the global tobacco epidemic, 2015: Raising taxes on tobacco. Geneva: 2015.

[2] Tobacco Control Scale (TCS): Die Tobacco Control Scale berücksichtigt Massnahmen zur Regulierung des Preises, Rauchverbote an öffentlichen Orten, Ausgaben für öffentliche Informationskampagnen, Werbeverbote, Gesundheitswarnungen und die Anstrengungen bezüglich Rauchstopp. Ein tiefer TCS Score bedeutet schwache Tabakkontrollmassnahmen.