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Der schlagfertige Maskenträger

Marc Weisskopf versteht jeden, der Mühe hat, das Beatmungsgerät für die Schlafapnoe-Therapie zu akzeptieren. Er sagt aber auch, dass sich das Durchhalten lohnt. Seine entwaffnende Offenheit hilft ihm, auch schwierige Situationen im Umgang mit den Folgen seines Gesundheits­problems zu meistern.

Foto Marc Weisskopf

Als die Atemaussetzer im Schlaf anfingen, war Marc Weisskopf 25 Jahre alt – und Lastwagenchauffeur. Im Berufsalltag hätte es also schnell sehr gefährlich werden können. Zum Glück war die Tagesmüdigkeit bei ihm nie sehr ausgeprägt. «Sekundenschlaf gab es bei mir nicht», sagt er. Seine Symptome waren Kopfschmerzen, Schnarchen und hoher Blutdruck. Sein Hausarzt reagierte geistes­gegenwärtig und ordnete eine Untersuchung auf Schlafapnoe an.

 

Gemäss Untersuchungen leiden in der Schweiz mindestens vier Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen zwischen 30 und 60 Jahren unter einer Schlafapnoe aufgrund verengter Atemwege. Die Ursachen sind noch nicht im Detail erforscht; man geht von einer vererbten Veranlagung aus, welche Muskulatur und Weichteilgewebe in Rachen und Hals übermässig erschlaffen lässt.

 

Während ein paar Wochen musste Marc Weisskopf ein Blutdruckmessgerät tragen, das die Entwicklung während 24 Stunden am Tag festhielt. Nach der Übernachtung im Schlaflabor des Kantonsspitals in Liestal war klar: Weisskopf hatte nachts Atemaussetzer.

 

Im Schlaflabor erfasst ein Gerät Hirnströme, Muskelaktivität, Augenbewegungen, Atmung und Kreislauf. Auffällig bei Betroffenen ist das laute Schnarchen, das durch Atemaus­setzer unterbrochen wird. Der Sauerstoff­mangel führt dazu, dass die Betroffenen immer wieder Aufweckreaktionen mit erhöhtem Puls zeigen. Auch wenn die Betroffenen nicht immer bewusst aufwachen, ist ihr Schlaf ­un­ruhig und nicht erholsam. Wird Schlaf­apnoe nicht erkannt, können Herz-Kreislauf-­Erkrankungen die langfristige Folge sein.

 

Nicht einfach war es für Marc Weisskopf, sich an das Beatmungsgerät zu ­gewöhnen. Die Operation, bei der unter anderem die ­Mandeln entfernt und Stabilisatoren ­eingesetzt wurden, brachte allein nicht den gewünschten Erfolg. Der Lungenarzt ­verordnete ihm ein sogenanntes CPAP-­Gerät. «Nachts eine Atemmaske anzuziehen, ­empfand ich als sehr störend und ­unbequem», erzählt Weisskopf. «Manchmal wollte ich das Gerät an die Wand knallen.»

 

CPAP steht für Continuous Positive Airway Pressure, die gleichmässige nächtliche Überdruckbeatmung während des Schlafs. Das CPAP-Gerät leitet einen sanften Luftstrom in eine Nasen- oder Gesichtsmaske. Dadurch entsteht im Nasen-Rachen-Raum ein erhöhter Druck, der verhindert, dass die Atemwege erschlaffen. Das Schnarchen hört auf, die Atempausen vermindern sich entscheidend.

 

Doch Marc Weisskopf hat durchgehalten. Die Umstellung war zwar nicht einfach, denn fortan konnte er nur auf der Seite oder auf dem Rücken schlafen; Bauchlage ist mit der Maske nicht möglich. «Es dauerte rund ein Jahr, bis ich mich an die Maske gewöhnt hatte», fasst er zusammen. «Aber es hat sich gelohnt.» Die Tagesmüdigkeit verschwand, die Kopfschmerzen wurden weniger – und die Träume kamen wieder.

 

Den Erfolg der Therapie hat er auch seiner damaligen Freundin zu verdanken: Sie war es, die ihm die Bedingung stellte, das Gerät zu benutzen oder aus dem gemeinsamen Schlafzimmer auszuziehen. Er erinnert sich: «Es gab einige emotionale Diskussionen, aber ich hatte Verständnis für ihre Situation.» Schliesslich entschied er sich fürs Bleiben und für das ­Gerät. Und so war fortan im Schlafzimmer nicht mehr ein lautes, manchmal ­unterbrochenes Schnarchen zu hören, sondern das Surren des CPAP-Geräts.

 

Heute, gut neun Jahre nach der Diagnose, ist alles Routine. Die Atemmaske nimmt er sich buchstäblich im Schlaf vom Kopf, wenn er nachts aufstehen muss. Zur Gewohnheit ist auch die Jahreskontrolle bei der Lungenliga geworden. «Es läuft alles freundlich und unkompliziert. Die Beraterin nimmt sich Zeit für alle meine Fragen», lobt Weisskopf.

 

Die Lungenliga stellt CPAP-Geräte zur Verfügung. Das diplomierte Personal begleitet die Patientinnen und Patienten während der Therapie. Besonders wichtig ist die Unterstützung beim Start der Therapie, wo es darum geht, Maske und Gerät individuell einzustellen.

 

Mit seinem Gesundheitsproblem geht der heute als Brandschutzexperte tätige Weisskopf offen um. «Es wissen alle Bescheid, denn ich will mich nicht verstellen müssen», erklärt er. Und: «Das Reden über Schlafapnoe hat mir geholfen, das Problem zu verarbeiten.»

 

Seine Offenheit bedeutet auch, dass er sich die eine oder andere Neckerei anhören muss. Schlagfertig gibt Weisskopf dann einen humorvollen Spruch zurück. Oder er entwaffnet den Angreifer, indem er ihn in halbem Ernst darauf aufmerksam macht, dass er sich auf Kosten Benachteiligter lustig macht. Wie auch immer, das Wichtigste für ihn ist, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen: «Ich habe gelernt darüberzustehen.»

 

Weitere Fallbeispiele finden Sie in unseren Jahresberichten.

 

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