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Lungenkrebs-Früherkennung: Unsicherheit herrscht vor

Gemäss einer amerikanischen Studie können Lungenkrebs-Screenings die Früherkennung dieser Krankheit fördern. Aus verschiedenen Gründen besteht diesbezüglich in der Schweiz jedoch noch eine grosse Verunsicherung. Unbestritten ist hingegen, dass das Erkrankungsrisiko durch einen Rauchstopp reduziert werden kann.

Lungenkrebs ist häufig: Jährlich gibt es in der Schweiz rund 4000 neu diagnostizierte Fälle und über 3000 Todesfälle, 85 Prozent der Betroffenen sind oder waren starke Raucher. Da in frühen Stadien des Lungenkrebses nur selten Symptome auftreten, wird Lungenkrebs oft erst spät diagnostiziert, was die Chancen auf eine Heilung mindert.

Eine wegweisende amerikanische Studie (National Lung Screening Trial) hat nachgewiesen, dass Screenings mit der Niedrigdosis-Computertomographie die Sterblichkeit jener Raucher, die bis dahin keine Symptome aufwiesen, um 20 Prozent senken können. Praktisch heisst dies jedoch, dass mehr als 300 Raucher untersucht werden mussten, um einen Todesfall wegen Lungenkrebs zu verhindern. Insbesondere bei (ehemaligen) Raucherinnen und Rauchern ist der Wunsch nach einer Möglichkeit zur Früherkennung verständlich. Dennoch sind viele Hausärzte und Fachpersonen unsicher, wie sie auf den Wunsch nach einem Lungenkrebs-Screening reagieren sollen

Noch keine einheitlichen Qualitätstandards
Die herrschende Verunsicherung hat verschiedene Gründe. Bislang fehlen in der Schweiz einheitliche Qualitätsstandards für Lungenkrebs-Screenings. So stellt sich die Frage nach dem Umgang mit den sehr häufigen falschpositiven Resultaten oder Fehlalarmen, also auffälligen Untersuchungsbefunden, die sich bei weiterführender Abklärung bis hin zur Lungenoperation als gutartig erwiesen. Personen, die sich für ein Screening interessieren, müssten deshalb vorab umfassend informiert und in der belastenden Zeit der Abklärung begleitet werden. Auch ist aktuell nicht definiert, wie mit Zufallsbefunden umgegangen wird. Im Interesse einer hohen Qualität – angefangen bei der Beratung über die Durchführung des Screenings bis zur Therapie im Falle einer Lungenkrebsdiagnose – wäre es zudem sinnvoll, wenn nur qualifizierte Zentren solche Screenings durchführen. Dadurch könnte gewährleistet werden, dass nur eine klar definierte Risikogruppe von Rauchern gescreent und dies wissenschaftlich begleitet wird.

Im Rahmen weiterer Studien muss zudem die Frage geklärt werden, wie hoch die Zahl der Intervallkrebse ist, also der Erkrankungen, die in der Zeit zwischen den Screenings entdeckt werden. Dies ist ein wichtiges Kriterium für die Qualität des Screenings.

Um der Verunsicherung rund um Screenings zur Früherkennung von Lungenkrebs zu begegnen, hat die Schweizerische Gesellschaft für Pneumologie in Zusammenarbeit mit der Lungen- und der Krebsliga ein Infoblatt mit den wichtigsten Fakten zur Lungenkrebs-Früherkennung erarbeitet, dies sowohl für Fachpersonen als auch für Laien.

Rauchstopp lohnt sich
Zum internationalen Tag des Lungenkrebses, der am 1. August begangen wird, möchte die Lungenliga darauf aufmerksam machen, dass unbestritten diejenigen Personen die wirksamste Lungenkrebs-Prävention betreiben, die nie mit dem Rauchen begonnen haben. Auch ein Rauchstopp lohnt sich immer: Bereits nach zehn Jahren hat sich das Lungenkrebs-Risiko halbiert, nach 15 Jahren ist es um 90 Prozent vermindert. Die kantonalen Lungenligen bieten bei einem Rauchstopp professionelle Unterstützung.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:
Lungenliga Schweiz
Florian Baccaunaud, Mediensprecher (bis zum 20. Juli 2017)
Tel. 031 378 20 71
f.baccaunaud@STOP-SPAM.lung.ch

Lungenliga Schweiz
Alexandra Wyss, Kommunikation (ab dem 24. Juli 2017)
Tel. 031 378 20 74
a.wyss@STOP-SPAM.lung.ch

Leben heisst atmen

Die Lungenliga berät und betreut Menschen mit Lungenkrankheiten und Atembehinderungen, damit sie möglichst beschwerdefrei und selbständig leben können und eine höhere Lebensqualität erreichen. Fachlich gut vernetzt vertritt sie die Anliegen ihrer Patientinnen und Patienten und fördert deren Selbsthilfe. Mit Prävention und ihrem Engagement für saubere Luft setzt sich die Lungenliga dafür ein, dass immer weniger Menschen an Lunge und Atemwegen erkranken.